Details zu 10.14361/9783839446140-010

Luigi Droste
Treiben Sorgen und Ängste den »populistischen Zeitgeist«?
Eine Untersuchung von Erscheinungsformen, Verbreitung und Determinanten populistischer Einstellungen
DOI: 10.14361/9783839446140-010
 
In diesem Beitrag nimmt Luigi Droste eine Vermessung der deutschen Gesellschaft in Bezug auf ihre populistische Grundorientierung vor und fragt danach, welche sozialstrukturellen und subjektiven Faktoren ein solches populistisches »Mind-Set« beeinflussen. Populismus wird dabei als Konglomerat aus dem Glauben an (a) Volkssouveränität, (b) Anti-Pluralismus und (c) Anti-Elitismus gemessen. Auf Basis von Analysen mit Daten der German Longitudinal Election Study (GLES 2017) zeigt sich, dass fast ein Viertel der Befragten eine ausgeprägtere populistische Orientierung aufweisen. Sozialstrukturell findet sich ein klarer Populismus-Gradient nach Bildung und nach Landesregion sowie ein schwächerer Gradient nach beruflicher Schichtung, während Einkommenshöhe, Alter oder Arbeitslosigkeit sich als nicht relevant erweisen. Mit Blick auf die subjektiven Bedingungen einer populistischen Orientierung gibt es nicht den einen Faktor. Finanzielle Statusängste spielen weniger eine Rolle. In erster Linie tragen ein persönliches Ungerechtigkeitsempfinden und ein gefühlter Kontrollverlust ihren Teil zu einer populistischen Einstellung bei. Der Beitrag erweitert nicht allein bisherige Beiträge der soziologischen Wahl- und Einstellungsforschung. Die Befunde relativieren insbesondere die aktuell verbreitete Meinung, dass populistische Geisteshaltungen v.a. bei den »Abgehängten« und »Verängstigten« zu finden sind.
 
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