Details zu 10.14361/9783839446584-015

Annelies Augustyns
Stadtwahrnehmung, Wettergeschehen und Lebensperspektive in Breslau während des Holocaust
Eine Lektüre der Tagebücher von Willy Cohn
DOI: 10.14361/9783839446584-015
 
Annelies Augustyns untersucht in ihrem Artikel »Stadtwahrnehmung, Wettergeschehen und Lebensperspektive in Breslau während des Holocaust« aus literaturwissenschaftlicher Perspektive die Tagebücher Willy Cohns (1933–1941), der als Mitglied der jüdischen Gemeinde Breslaus die Zeit des Holocausts dokumentiert. Hierbei liegt der Fokus insbesondere auf dem Wetter, welches als realer Umstand Einzug in den Text erhält und verschiedene Bedeutungen und Funktionen ausfüllt. Wetterwahrnehmungen sind nicht nur Bestandteil des ästhetischen Stadteindrucks und des alltäglichen Lebens, sondern auch Ausdruck der inneren Stimmung und der Lebensbedrohung, die der Autor erfährt. Darüber hinaus fungieren sie als Flashback-Auslöser für Erinnerungen an glücklichere Zeiten und Orte. Auf der Basis des historischen Kontextes arbeitet Augustyns heraus, wie das Wetter in den Aufzeichnungen Cohns etwa als ironisches Element eingesetzt wird, aber auch inwiefern die Quantität der Erwähnungen des Wetters innerhalb des Tagebuchs von den politischen Entwicklungen abhängig scheint – Wetter als Indiz einer unsichtbaren Bedrohung.
 
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