Details zu 10.14361/9783839446782-004

Véronique Zanetti
Humanitäre Interventionen - ein zweischneidiges Schwert
Kann ein Krieg gerecht sein?
DOI: 10.14361/9783839446782-004
 
Véronique Zanetti widmet sich der Analyse des moralischen Dilemmas, mit dem die Rechtfertigung humanitärer Interventionen unweigerlich konfrontiert ist. Das Dilemma entsteht aus einer Kollision von Pflichten: der Pflicht, Menschen in Not zu helfen, und der Pflicht, Unschuldigen keinen Schaden zuzufügen. Die Literatur über gerechte Kriege favorisiert zwei Strategien, um einen Ausweg zu finden. Die erste (das Prinzip der Doppelwirkung) unterscheidet zwischen einem absichtlich verfolgten Ziel und der nicht intendierten Folge der Handlung. Die zweite Strategie (das Prinzip der Verhältnismäßigkeit) setzt dem Prinzip der Doppelwirkung eine quantitative Grenze. In Wirklichkeit laufen beide Strategien Gefahr, Kriegen und Kriegsverbrechen zu schwache normative Riegel vorzuschieben. Ich werde die beiden Strategien und einige Kritiken daran näher untersuchen und zeigen, dass die von ihnen beabsichtigte Rechtfertigung eines Krieges in einen Kompromiss zwischen zwei inkompatiblen Positionen mündet: einer, die das Immunitätsprinzip von Zivilisten vertritt, und einer, die seine Auswirkung lindert.
 
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