Details zu 10.14361/9783839447338-022

Kenneth Horvath
»Anti-Rassismus«. Die deutschsprachige Migrationsforschung und das schwierige Erbe des Nationalsozialismus
DOI: 10.14361/9783839447338-022
 
Ken Horvath geht in seinem Beitrag der Frage nach, wie die deutschsprachige Migrationsforschung nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Positionierung gegenüber dem Nationalsozialismus geprägt wurde. Diese Positionierung ist durch eine doppelte Absetzbewegung geprägt, die ihren Ausdruck in deren langjähriger Ablehnung von »Rassismus« als analytischem Konzept gefunden hat. Diese rassismustheoretische Leerstelle wirkt sich in drei Hinsichten negativ aus. Erstens schränkt sie die ungleichheitstheoretische Analyse aktueller Migrationsverhältnisse ein. Zweitens hat sich parallel zur Negation post-nationalsozialistischer Bezüge im deutschsprachigen Raum eine Engführung in internationalen Rassismustheorien auf (post-)koloniale Rassismen ergeben; andere (allen voran eugenische) Spielarten rassistischer Wissensordnungen bleiben im Vergleich unterbelichtet. Drittens fehlt der Migrationsforschung mit dem Verzicht auf rassismuskritische Perspektiven auch eine Grundlage zur reflexiven Thematisierung der eigenen Wissensproduktion.
 
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