Details zu 10.14361/9783839447734-016

Alexander H. Schwan
Runentanz als Skandalon der écriture corporelle
DOI: 10.14361/9783839447734-016
 
Innerhalb des weiten Beziehungsfeldes von Tanz und Schrift lauert ein dunkles historisches Phänomen, das bis heute im rechts-esoterischen Umfeld praktiziert wird: der Runentanz, das körperliche Nachstellen germanischer Runen. Mit dem Ziel, über die Einnahme runenartiger Posen eine lesbare Körperschrift zu produzieren, wird der Runentanz, eine Nebenform der sogenannten Runengymnastik oder der Runenexerzitien, von völkischen Autoren der 1930er Jahre (Friedrich Bernhard Marby, Siegfried Adolf Kummer) entwickelt. Hintergrund ist die kulturhistorisch falsche Annahme, dass die germanischen Runen die Urformen von Schrift darstellen und alle ihre Zeichen auf Körperhaltungen und Bewegungen zurückzuführen seien. Eine tanzwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den hochproblematischen Phänomenen Runentanz und Runengymnastik hat bis heute nicht stattgefunden und wird hier erstmals im Kontext einer ausführlichen Theoretisierung von Tanz als Schrift in die Forschung eingebracht.
 
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