Details zu 10.14361/9783839447758-010

Knut Ebeling
Archäologie der Artefakte
Documents und die Dekolonialisierung des Designobjekts
DOI: 10.14361/9783839447758-010
 
Der Beitrag zur Designästhetik macht den Vorschlag, als Grundlagendisziplin für die derzeitige Designforschung weniger die (idealistische) Ästhetik, sondern die Disziplinen der materiellen Kultur wie Archäologie, Anthropologie und Ethnologie heranzuziehen. Alle drei waren präsent in der historischen Zeitschrift »Documents. Archéologie, Beaux-Arts, Ethnographie«, die von 1929 bis 1931 in Paris herausgegeben wurde und die 2018 im Berliner Haus der Kulturen der Welt in Form einer Ausstellung neu diskutiert wurde. Eine solche »Archäologie der Artefakte« verspricht nicht nur eine Engführung zwischen Kunst und Design, sondern auch eine Befreiung der Designdisziplinen von Eurozentrismus und Kolonialismus. Mit dem Begriff des Artefakts wird zugleich eine epistemologisch informierte Perspektive eingenommen, die die Welt der Objekte unvoreingenommener betrachtet, als das in der Designästhetik möglich erscheint. Indem Artefakte als Objekte definiert werden, die wir noch nicht so gut kennen, wird die Ästhetik des Objekts freigestellt für Neudefinitionen des Objekts wie beispielsweise Tim Ingolds mit seinem Begriff eines primitiven making. Mit dieser Revision und Radikalisierung von Heideggers »Zeug« aus anthropologischer Perspektive wird die Konzeption des Artefakts der aktuellen Situation einer digitalen Prähistorie gerecht, von der ausgehend zugleich eine Archäologie (okzidentaler) Praktiken des Entwurfs und der westlichen (Kunst-)Produktion denkbar werden.
 
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