Details zu 10.14361/9783839448656-008

Axel Schröter
Zur gesellschaftspolitischen Dimension des Lohengrin und Deutung der Romantischen Oper von Seiten Liszts
DOI: 10.14361/9783839448656-008
 
Wagner hat seinen »Lohengrin« einmal als das »traurigste« seiner musikdramatischen Werke bezeichnet. Eröffnet der Schluss der "Götterdämmerung" in der Tat wenigstens die Hoffnung auf die zukünftige Generation und damit auch auf eine neue, bessere Welt, so ist mit Lohengrins Abschied und der Rückgabe der Insignien der Macht eine Situation erreicht, die die alte Gesellschaftsordnung nicht nur restituiert, sondern sie auch mehr denn je festigt. Lohengrin, für Wagner sowohl Chiffre eines »neuen Menschen« als auch des Künstlers, blieb gleichsam von allen unverstanden, selbst von Elsa, die ihm und der Gralswelt am Nächsten stand. Die Deutung des »Lohengrin«, wie sie Liszt in seiner umfassenden, ohne Frage wirkungsmächtigen Werkerläuterung darlegte, lässt vom revolutionären Gedankengut Wagners, das zur Zeit der Arbeit an »Lohengrin« von der Gesellschaftskritik des ersten Ring-Entwurfs weniger weit entfernt ist, als man zunächst annehmen mag, kaum etwas ahnen, sondern verlagert die Sprengkraft des Stücks vielmehr auf eine Ebene, die im Hinblick auf ein christlich-romantisches Verstehen wichtig geworden ist. Sind Komponisten- und Interpretenintentionalität somit nur bedingt in Übereinstimmung zu bringen, so war Liszts Deutung ohne Frage weitreichend, zumal Cosima Wagner später in Bayreuth die Idee einer christlichen Trilogie, bestehend aus »Tannhäuser«, »Lohengrin« und »Parsifal« realisierte, und damit an die Interpretation ihres Vaters anknüpfte.
 
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