Details zu 10.14361/9783839449622-002

Klaus Roth
Eigenbilder, Fremdbilder, Identitäten im östlichen Europa
Einleitende Beobachtungen zu einem schwierigen Thema
DOI: 10.14361/9783839449622-002
 
Der Text wendet sich aus ethnologischer und historischer Sicht der heute wachsenden Entfremdung von Ost und West in Europa zu und vertritt die These, dass das spezifische historische Schicksal des östlichen und südöstlichen Europa vom Westen viel zu wenig berücksichtigt wird. Während der letzten sechs Jahrhunderte hatte die östliche Hälfte Europas eine Geschichte, die sich stark von der Westeuropas unterschied. Bis Ende 19. /Anfang 20. Jh. waren alle seine Territorien Teil mächtiger Reiche, des russischen, des habsburgischen und des osmanischen Reiches, und nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie fast ein halbes Jh. sowjetischer Herrschaft unterworfen. Diese historischen Tatsachen haben die Identität der verschiedenen Völker in Osteuropa und auch die gegenseitige Wahrnehmung von Ost und West in Europa tiefgreifend beeinflusst – und sie tun es bis heute im Rahmen der EU. Der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft 1989/90 löste bei den Völkern große Hoffnungen aus und brachte viele Verbesserungen mit sich, er verursachte aber auch erhebliche Probleme, die (nach Paul Lendvai) großenteils auf »westliche Ignoranz und Arroganz« zurückzuführen waren. Die tiefen Veränderungen führten u. a. zu einer Verschlechterung der Lage ethnischer Minderheiten (wie der Roma) und zu einem allgemeinen Anwachsen des Patriotismus mit Schwerpunkt auf Nationalgeschichte und Volkskultur, verbunden mit einer wachsenden Abneigung gegen Elemente des westlichen Liberalismus. Die Beiträge des Bandes fokussieren auf wichtige Aspekte dieser Entwicklungen in Ost- und Südosteuropa, die für das Verständnis der gesamten Region relevant sind.
 
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