Details zu 10.14361/9783839449622-012

Julia Austermann
Homophobie und queere Interventionen in Polens visueller Kultur ab 1980
DOI: 10.14361/9783839449622-012
 
Julia Austermann gibt in diesem Beitrag einen Überblick über ihr Dissertationsprojekt: Sie erforscht polnische Text- und Bildkonvolute staatlicher, kirchlicher, politischer und aktivistischer Herkunft vor und nach 1989. Das Material gibt Auskunft über Homophobie und ihre Sichtbarmachung und Bekämpfung. Homophober Hass wird in Plakaten, Piktogrammen und Graffitis nationalistischer, rechtsradikaler und katholisch-fundamentalistischer Bewegungen repräsentiert, sie werden im Internet weiterverbreitet und finden durch Straßenproteste Eingang in den urbanen Raum. Damit haben sie fundamentalen Einfluss auf Polens visuelle Kultur. Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Analyse der Produktion dieser Bilder, des Umgangs mit ihnen und die spezifischen, mit den Bildern verbundenen Emotionalisierungstechniken ebenso wie die queeren Interventionen. Eine These lautet: Es hat sich eine öffentliche Ikonographie der Homophobie in der visuellen Kultur Polens entwickelt, die durch nationalistische, rechtsextreme sowie katholisch-fundamentalistische Bewegungen beeinflusst wird. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, verwendeten LGBT*-Kampagnen und öffentliche Protestaktionen integrative und normalisierende Bildstrategien gegen die Diskriminierung der Homosexuellen. Daraus ergeben sich die folgenden Forschungsfragen: Durch welche Vorurteile und Stereotype zeichnet sich der Bilddiskurs zu Homophobie in Polen vor und nach 1989 aus? Welche Bedeutung hatten queere Bildstrategien für die Sichtbarmachung homosexueller Lebensweisen? Wie haben die homophobe und die queere Protestbewegung mit welchen Bildstrategien (inter-) agiert und Emotionen erzeugt, die homophobe Einstellungen provozieren oder die Anerkennung der Homosexualität fordern? Mittels empirischer Archivforschung, Bilddiskursanalyse und Photo-Elicitation verbindet die Autorin ihren hermeneutisch-interpretativen Zugang mit Methoden der Medienethnologie, Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft. Mit der Analyse des Bilddiskurses und der Bildpraktiken zu Homophobie in Polen vor und nach 1989 leistet Julia Austermann einen Beitrag in den Forschungsfeldern der Visuellen Kultur, Gender/Queer Theory, der kultur- und sozialwissenschaftlichen Protestforschung und Emotionsgeschichte.
 
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