Details zu 10.14361/9783839450581-011

Nico Thom
Praxisbezogene Jazz- und Popmusik-Studiengänge al s Orientierungspunkte für die Popularmusikforschung in Deutschland
DOI: 10.14361/9783839450581-011
 
Nico Thom widmet sich in seinem Beitrag dem unausgewogenen Verhältnis von Theorie und Praxis in der zeitgenössischen Popularmusikforschung Deutschlands. Sowohl Lehre als auch Forschung sind dominiert von theoretischen Perspektiven auf populäre Musik. Praktische Aspekte sind weitgehend ausgeschlossen. Ein Grund dafür ist die historische Separierung der deutschen Musikforschung in Musikwissenschaft, Musiktheorie und Musikpädagogik seit Ende des 19. Jahrhunderts. Eine akademische Diskriminierung bzw. Hierarchisierung der drei Teildisziplinen führte zu einem Ranking mit Musikwissenschaft auf Platz 1, Musiktheorie auf Platz 2 und Musikpädagogik auf Platz 3. Motto: Umso mehr Theorie, umso besser. Seit dem späten 20. Jahrhundert wurde ein weiterer Grund für die Nichtbeachtung der musikalischen Praxis deutlich: Die Dominanz der angelsächsischen, interdisziplinären Cultural Studies mit ihrer Betonung von – vor allem politischen – Theorien und Modellen, die außerhalb der Musikforschung entstanden sind. Daher stellt sich unter anderem die Frage nach den Karrierechancen von deutschen Studierenden mit theorielastigem Popularmusik-Schwerpunkt. Können diese von dem, was ihnen im Studium beigebracht wird, späterhin ihren Lebensunterhalt bestreiten, das heißt ohne praktische Musikausbildung? Innerhalb und außerhalb des Hochschulkontextes gibt es kaum berufliche Perspektiven für diese Studierenden. Um diesen Umstand einen Kontrapunkt entgegenzusetzen, liefert der Beitrag Einblicke in praxisbezogene Jazz- und Popmusik-Studiengänge in Deutschland, wo musikpraktisches Training im Vordergrund steht. Die Curricula dieser Studiengänge sind polyvalenter aufgestellt, um den Absolventen mehr berufliche Möglichkeiten zu eröffnen. Drei weitere Aspekte werden im Text diskutiert: die Chancen durch 1) die Etablierung einer empirischen Ästhetik, 2) einer künstlerischen Forschung und 3) einer Integration der Jazzforschung in die Popularmusikforschung.
 
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