Details zu 10.14361/9783839450888-005

Anne-Berenike Rothstein
"Fin de siècle – fin de sexe"
Queering und Crossdressing im fin de siècle
DOI: 10.14361/9783839450888-005
 
Anne-Berenike Rothstein beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der »reine des décadents« Rachilde (1860-1953), weiblicher Dandy, selbsternannter »Homme de lettres« und Crossdresser im männlich dominierten Literaturdiskurs des fin de siècle. Anhand ihrer berühmtesten Romane (Monsieur Vénus, 1884, und Madame Adonis, 1888) konzentriert sich die Analyse auf Rachildes hybride, d.h. gesellschaftliche, Gender-Grenzen und gängige literarische Diskurse über¬schrei¬tende Schreibästhetik. Die These des Beitrags ist, dass sich Rachildes Werke nicht nur durch eine radikal neue Definition von Gender auszeichnen, die vorrangig auf der Um¬kehrbarkeit der Gender-Rollen fußt, sondern Rachilde auch eine ganz eigene (»weibliche«) Autonomie der Sprache, eine künstlerische Vermi¬schung von Sprache, Literatur und Gender propagiert. Damit werden die Geschlech¬ter¬ver¬hält¬nisse auf einer inhaltlichen Ebene nicht nur umge¬kehrt, sondern das gesamte poetologische Programm Rachildes durchläuft einen Queering-Prozess und zeigt ein gewandeltes und wandelbares Geschlechter- und Gesellschaftsbild. Der Beitrag postu¬liert eine »écriture féminine dandy« und etabliert damit das weibliche Dandytum als Narrativ.
 
Leseprobe