Details zu 10.14361/9783839451113-005

Daniel Logemann
Rosenkranz vs. Bordell oder polnische Geschichte im Kontext. Eine kursorische Einschätzung zum Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdańsk
DOI: 10.14361/9783839451113-005
 
Der Anspruch des Museums des Zweiten Weltkriegs in Gdansk unter seiner ursprünglichen Direktion war es, polnische Geschichte im Kontext von europäischer und globaler Geschichte darzustellen. Zudem sollte das Schicksal der Zivilbevölkerung den Kern der Erzählung bilden. Einzelne Menschen – Männer, Frauen und Kinder verschiedener Nationalitäten – wurden mit ihren Erinnerungsstücken und ihren Biographien an dutzenden Stellen in die Ausstellung eingeflochten und stellten nicht selten deren kognitive und emotionale Höhepunkte dar. So verschob sich das Narrativ vom militärischen Kriegsgeschehen auf den Alltag und die Rolle »normaler« Menschen im Krieg. Das Konzept war von der Überzeugung getragen, dass gerade die Kontextualisierung und Individualisierung von Geschichte die Fragen und die Wahrnehmung von Besuchern stimuliert. Ein Kalkül war auch, dass die Einbettung von polnischer Geschichte in globale Zusammenhänge diese sogar herausheben und besser vergleichbar machen würde. Der Beitrag zeichnet diese kuratorischen Konzepte nach und ordnet sie kurz in die Entwicklungen der gegenwärtigen Politik der polnischen Regierung ein, die 2017 die Direktion ablöste und eine nationalpolnische Perspektive auf den Krieg forciert.
 
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