Details zu 10.14361/9783839451113-015

Monika Heinemann
Der Kampf um das "moderne" Museum – Zeitgeschichte im polnischen Museumsboom
DOI: 10.14361/9783839451113-015
 
Die polnische Museumslandschaft erfährt seit fast 15 Jahren eine radikale Wandlung, insbesondere im Bereich historischer Museen. Nicht nur ist die Zahl von Museumsneugründungen und grundsätzlichen Neukonzeptionen von Dauerausstellungen massiv gestiegen. Das institutionelle Selbstverständnis ebenso wie der inhaltliche, methodische und gestalterische Zugang der Museums- und Ausstellungsmacher ihren Themen gegenüber hat sich stark gewandelt. Während im Bereich der Ausstellungskonzeption und -gestaltung narrative Schauen mit einem stark szenografischen Zugang das Feld dominieren, hat sich das Spektrum präsentierter Deutungen und historischer Perspektiven stark ausgefächert. Der Beitrag wird die Pluralisierung der musealen Geschichtsnarrative seit Einsetzen des Museumsbooms 2004 anhand einzelner herausragender Museen beleuchten, die bis heute landesweite Strahlkraft entfalten. Im Zentrum steht dabei die Musealisierung des Zweiten Weltkriegs, eines in der polnischen Erinnerungskultur und Geschichtspolitik bis heute zentralen (Streit-)Themas. Am Beispiel des Museums des Warschauer Aufstands, das den polnischen Museumsboom initiierte, der sogenannten Schindler-Fabrik in Krakau, des ersten prominenten Gegenentwurfs zur erstgenannten Schau, sowie des Museums der Geschichte der Polnischen Juden POLIN wird sowohl das interpretatorische Spektrum als auch das sich darin manifestierende gewandelte Selbstverständnis zeitgeschichtlicher Museen in Polen diskutiert. Anhand der Dauerausstellungen und weiterer Aktivitäten der betrachteten Museen wird nicht zuletzt die innerpolnische Debatte um die Rolle und Aufgaben historischer Museen beleuchtet – sowohl mit Bezug auf interne Auseinandersetzungen der Fachcommunity wie der an sie gerichteten Erwartungen von öffentlicher und vor allem politischer Seite.
 
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