Details zu 10.14361/9783839451656-003

Katharina Manderscheid
Antriebs-, Verkehrs- oder Mobilitätswende?
Zur Elektrifizierung des Automobilitätsdispositivs
DOI: 10.14361/9783839451656-003
 
Das Automobil gehört zu den zentralen Kennzeichen moderner industrialisierter Gesellschaften und symbolisiert primär Fortschritt und Wohlstand. In den Ländern des globalen Nordens nehmen die Anzahl privater Autos bezogen auf die Einwohner*innen sowie die täglich mit dem Auto zurückgelegten Distanzen immer noch zu. Inzwischen gilt der motorisierte Individualverkehr, insbesondere der Autoverkehr, jedoch auch als Sinnbild der ökologischen Nicht-Nachhaltigkeit der modernen Lebensweise und stößt vor allem in den Städten immer sichtbarer an Grenzen. Nicht erst mit den Fahrverboten für ältere Dieselautos in belasteten Städten und seit den Pariser Klimaschutzzielen sind die negativen Implikationen des motorisierten Individualverkehrs und insbesondere dessen fossilen Antriebs auf die politische Agenda gerückt. Vor diesem Hintergrund wird inzwischen die Notwendigkeit und ein sich bereits abzeichnender Wandel im Bereich von Mobilität und Verkehr festgestellt. Offen ist hingegen, in welche Richtung der Wandel gehen wird und wie tiefgreifend dieser Wandel sein soll. Hier lassen sich drei unterschiedliche Konzepte analytisch voneinander unterscheiden, eine Antriebs-, eine Verkehrs- und eine Mobilitätswende. Welcher der drei Transformationsbeschreibungen sind die gegenwärtig beobachtbaren Entwicklungen im Bereich der Elektrifizierung der Automobilität und des Individualverkehrs zuzuordnen? Lässt sich hier eine Anpassung an veränderte gesellschaftliche, ökologische und politische Rahmenbedingungen feststellen oder zeichnen sich bereits neue Regime bzw. neue Mobilitätsdispositive ab? Mit dem Ziel, eine Einschätzung über die Richtung des Wandels zu formulieren, werde ich im Folgenden einige Entwicklungen der Elektrifizierung im individuellen Personenverkehr analysieren und daraufhin abklopfen, ob sie die Hegemonie des privaten Autos herausfordern. Grundlage der Ausführungen ist dabei das Konzept von Automobilität als Dispositiv, ein mehrdimensionales soziologisches Verständnis, das die gesellschaftsformierende Eigenlogik desselben herausstellt.
 
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