Details zu 10.14361/9783839452493-004

Nadja Grbic
Autorisierte Translator*innen und un_übersetzte Subjekte Rekrutierungsformen des Gebärdensprachdolmetschens in der Geschichte
DOI: 10.14361/9783839452493-004
 
Der Beitrag wirft einen Blick in die Geschichte des Gebärdensprachdolmetschens in Österreich und geht zum einen der Frage nach, wer was aus welchem Interesse und mit welcher Befugnis dolmetschte und was unübersetzt blieb, und zum anderen der Frage, welchen Einfluss das »Amt des Translators« auf die Konstruktion von Gehörlosigkeit und Gebärdensprache hatte. Diese Fragen sollen anhand zweier historischer Rekrutierungssysteme von Gebärdensprachdolmetscher*innen diskutiert werden: das staatlich organisierte Dolmetschwesen in der späten Habsburgermonarchie und das Rekrutierungssystem der Gehörlosenorganisationen, das nach dem 1. Weltkrieg einsetzte. In Zusammenhang mit der Diskussion dieser Fragen werden des Weiteren zwei Denkfiguren entwickelt, jene des autorisierten Translators, dem weitreichende Machtbefugnisse zukommen, und jene des un_übersetzten Subjekts, mit dem das Dasein Gehörloser zwischen übersetzt und nicht übersetzt gefasst wird, mit sämtlichen Spannungen, die sich zwischen diesen beiden Polen nicht zuletzt daher ergeben, dass Gehörlose dauerhaft auf Translation angewiesen sind.
 
Leseprobe