Details zu 10.14361/9783839452493-005

Christina Korak
Brücken ins Nirgendwo Das Un_Übersetzte! in der Kommunikation zwischen Indigenen der Waorani und der Mehrheitsgesellschaft Ecuadors
DOI: 10.14361/9783839452493-005
 
Postkoloniale Ansätze bewirkten in der Translationswissenschaft ein Hinterfragen konventioneller Auffassungen von Translation als benigner Prozess des Brückenbaus. Dennoch kommt in anderen Diszplinen die Brückenmetapher weiterhin zur Anwendung, und Translation wird als ein scheinbar stabiles und vereinheitlichendes Bindeglied zwischen Kulturen konzeptualisiert, wobei soziopolitische Handlungen des Un_Übersetzten! unberücksichtigt bleiben. Christina Korak beleuchtet in ihrem Beitrag die dunkle Seite translatorischer Handlungen in der indigenen Gemeinschaft der Waorani in Ecuadors Amazonien. Es wird die entscheidende Rolle aufgezeigt, die MissionarInnen des Summer Institute of Linguistic im erzwungenen Kontakt zu den Waorani spielten, und es werden die Verbindungen von Eugene Nida, einem der »Gründerväter« der Translationswissenschaft, mit dieser Organisation verdeutlicht. Auf diese Weise wird ersichtlich, dass in indigenen Kontexten Translation oftmals als Werkzeug zur bewussten »Reduktion« von Menschen, Traditionen und Lebensgrundlagen eingesetzt wird. Gegenbeispiele dazu, wie die Waorani ihrerseits Translation kraftvoll nutzen, inspirieren neue konzeptuelle Ansätze. Diese stellen eine Gegenkraft und den Faktor »Kosmovision« in translatorischen Handlungen in den Mittelpunkt konzeptueller Überlegungen und bringen somit zweifelsfrei metaphorische Brücken zum Einsturz.
 
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