Details zu 10.14361/9783839452844-009

Marijana Erstic
Livia als Emma
Luchino Viscontis Film Senso
DOI: 10.14361/9783839452844-009
 
Im Zentrum des Aufsatzes »Livia als Emma« steht Luchino Viscontis Film »Senso« (1954, dt. »Sehnsucht«). André Bazin zufolge ist dieser Film »der romanhaften Ästhetik ähnlich, die in der Tradition Flauberts steht und besonders durch den Naturalismus bekräftigt ist.« Zwar hat Viscontis Senso eine andere literarische Vorlage als Gustave Flauberts so genannten realistischen Roman »Madame Bovary«, doch ist seine Contessa Livia in ihrem Selbstbetrug und vielleicht auch in ihrem nüchtern geschilderten schwärmerischen Charakter Flauberts Figuren nahe. Diese sind bekanntlich für eine sentimentale Erziehung empfänglich, so vor allem, auf je unterschiedliche Art, Frédéric Moreau und Emma Bovary. Luchino Viscontis Film zeigt in flaubertscher Manier, was passiert, wenn der Wunsch nach einem anderen und vermutlich besseren Lieben und Leben jemanden ergreift, der zur Oberschicht gehört - und das inmitten einer Revolution. Der italienische Neorealist gestaltet in »Senso« aus der gleichnamigen Novelle Camillo Boitos einen filmischen und typisch italienischen Ehebruchsroman, der mit Verweisen auf die großen Romane des 19. Jahrhunderts arbeitet. So wird Livias und Emmas vergleichbare Vorliebe für Liebes-Sujets in Luchino Viscontis Film »Senso« auch als entlarvendes Kristallbild (Gilles Deleuze) eingesetzt. Der Beitrag befasst sich mit Parallelen und Unterschieden zwischen Text und Film.
 
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