Details zu 10.14361/9783839452905-007

Kati Röttger
Historiografie des Spektakels
DOI: 10.14361/9783839452905-007
 
Kati Röttger nimmt in ihrem Beitrag Jean-Luc Nancys Aufforderung, das Denken des »Spektakels« als solches wiederaufzunehmen zum Anlass, das Spektakel aus theaterwissenschaftlicher Perspektive einer Revision zu unterziehen. Dabei geht sie davon aus, dass das Spektakel in seiner ursprünglich lateinischen Bedeutung von spectaculum einen Gegenstandsbereich bezeichnet, der ein Kerngeschäft der Theaterwissenschaft ausmacht: Schauplatz und Schauspiel, mit besonderem Akzent auf den Raum des Sehens und Gesehen-Werdens und die Aktivität des Zuschauens (Blick). Dennoch hat die Theatergeschichtsschreibung bisher versäumt, eine Geschichte des Spektakels vorzulegen. Was also wäre naheliegender, als diesem theaterwissenschaftlichen Desiderat mit einem historiografischen Ansatz zu begegnen? Ein solcher Ansatz bietet sich auch deshalb an, weil der Spektakel-Begriff im Gegensatz zu anderen historiographischen Konzeptionen selbst in eine Geschichte der Theoretisierung und Historisierung eingebunden ist, die bis in die Antike nachzuverfolgen ist. Vor diesem Hintergrund werden im Beitrag Vorüberlegungen angestellt, die erste Konturen einer methodologischen Herangehensweise an eine Geschichtsschreibung des Spektakels umreißen. Im ersten Schritt wird die Begriffsgeschichte des Spektakels in Augenschein genommen, um möglichen historischen Umwertungen des Spektakels nachzugehen. Eine Begriffsgeschichte des Spektakels wiederum kommt nicht ohne Theoriegeschichte aus, die darüber Aufschluss geben kann, welcher ästhetische oder epistemologische Stellenwert dem Spektakel bzw. unterschiedlichen spektakulären Praktiken in bestimmten (historischen) Konstellationen der Zurschaustellung zugesprochen wurden. Schließlich wird anhand von Fallbeispielen aus der Zeit um 1800 der Vorschlag zu einer interkonnektiven Historiografie unterbreitet. Eine interkonnektive Historiografie ruft neben inter- und transmedialen Ansätzen gleichermaßen inter- und transnationale sowie inter- und transdisziplinäre Perspektiven auf, die Theater- und Operngeschichte, Kunst- und Bildgeschichte, Ästhetik- und Mediengeschichte sowie Technik- und Wissenschaftsgeschichte in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang bringen.
 
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