Details zu 10.14361/9783839453094-011

Ruth Großmaß
Ethik
DOI: 10.14361/9783839453094-011
 
Keine der soziologischen Untersuchungen Richard Sennetts ist rein analytischer Natur. Sennett wirft immer auch die Frage auf, wie gesellschaftliche Verhältnisse sein sollen, damit ein »gutes« oder zumindest akzeptables Leben möglich wird. Der Begründungsrahmen für die jeweils vorgenommenen Bewertungen allerdings ändert sich. In den Arbeiten der 1960er/70er Jahre ermöglicht eine kapitalismus-kritische, »linke« Grundhaltung die Bewertung der Lebensverhältnisse. Dann, ab Ende der 1970er Jahre treten moralische Kategorien (wie Freiheit, Selbstachtung, Respekt, Würde) in den Vordergrund - Kategorien, die in Interviews aufgefunden und weitgehend vom Autor geteilt werden. Da, wo diese Gemeinsamkeit nicht trägt (wie bei Solidarität als Moral der Nähe), findet eine argumentierende Abgrenzung statt, was in den Büchern der Trilogie (2008, 2012, 2018) in eine explizite Ethik mündet. Der Aufsatz setzt sich kritisch mit der argumentativen Tragfähigkeit von Sennetts Begründungen auseinander.
 
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