Details zu 10.14361/9783839454329-022

Stefan Hirschauer
Pandemische Humandifferenzierung
DOI: 10.14361/9783839454329-022
 
Stefan Hirschauer betrachtet die Folgen der Pandemie für die mikrosozialen Routinen der Kategorisierung von Menschen. Das Virus ist ein ontologisch ambiguer (unlebendig/untoter) Mitspieler sozialer Prozesse, der einige gesellschaftliche Routinen der Unterscheidung zwischen Menschen revitalisiert, andere neue etabliert hat. Pandemisch ist eine Form der Humandifferenzierung, die einerseits eine medizinspezifische Unterscheidung von Infizierten und Nichtinfizierten als Unterscheidung von Gefährdern und Gefährdeten für die gesamte Gesellschaft relevant macht, aber andererseits nur durch punktuelle Labortests und nicht durch alltägliche Wahrnehmung verfügbar ist. Alle gehen auf Abstand, weil niemand sicher weiß, welche Position sie in der Statuspassage zu den Immunisierten hat. Daher grassiert ein allseitiges Misstrauen, das auf leichter verfügbare Unterscheidungen (wie Nationalität, Ethnizität, Alter, Sozialverhalten etc.) rekurrieren lässt.
 
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