Details zu 10.14361/9783839457658-011

Ghassan Salhab, Michaela Ott
Film als Gegenverwirklichung
DOI: 10.14361/9783839457658-011
 
Ghassan Salhab, Filmemacher und Essayfilmer aus Beirut im Gespräch mit Michaela Ott, Ästhetiktheoretikerin und Philosophin aus Berlin. Anlässlich von Salhabs jüngstem, 2019 in Berlin gedrehtem Film "Une rose ouverte/Warda" sprechen sie über Identität und das Kompositkulturelle, da Salhab sich affirmativ zwischen Senegal, Libanon und Frankreich/Deutschland bewegt und gegen kulturell vereindeutigte Setzungen ausspricht. Sein essayistischer Film versteht sich als Hommage an Rosa Luxemburg und ihr Plädoyer für die internationale Revolution. Dieser beunruhigenden Dringlichkeit möchte er sich stellen, auch wenn die Begegnung zu groß für ihn sei, weshalb er sich ihr assoziativ zu nähern sucht: in filmischer Verdichtung von Theorien, Texten u.a. von Celan und Beckett, Bildern deutscher und libanesischer Landschaft. Wichtig sei ihm, die raumzeitliche Situiertheit der Aussage in ein horizontales Nebeneinander zu überführen, Luxemburgs Forderung in visuellen und auditiven Resonanzen zu evozieren, ungleichzeitige Bilder und Töne zu amalgamieren, in passiv-aktiven Vorgehensweisen, da Passivität immer von Passionellem zeugt. Kunst sei daher mit Deleuze als Gegenverwirklichung zu verstehen.
 
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