Details zu 10.14361/pop-2020-090109

Lars Koch, Solvejg Nitzke
»CHERNOBYL« UND DIE HALBWERTSZEITEN DER ANGST
DOI: 10.14361/pop-2020-090109
 
Lars Koch und Solvejg Nitzke sehen sich in ihrem Beitrag die TV-Serie Chernobyl an. Dreiundreißig Jahre nach dem fatalen Reaktorunglück weckt die TV-Serie die Hoffnung, dass die mit diesem Namen synonyme Katastrophe nun endlich erzählbar wird. In fünf Episoden wird visuell beeindruckend vom komplexen Zusammenspiel menschlicher und nicht-menschlicher Akteure erzählt. Die Katastrophe verweigert die Lehre weiterhin, und ihre Geschichte ergibt nach dem Ende der Serie nicht mehr Sinn als vorher. Doch genau darin liegt die unheimliche Qualität von Chernobyl: Es geht nicht um eine Spurensuche, eine Wertung oder gar eine Erklärung, sondern um die Frage danach, wer (auch heute) bestimmt, was die Wirklichkeit ist. Als Verhandlung des Verhältnisses von (wissenschaftlicher) Expertise und Politik zeigt die Serie, dass die Probleme, die dem Reaktorunglück von 1986 zu Grunde lagen, aktueller sind denn je.
 
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