Details zu 10.14361/zfk-2018-120206

Shumon T. Hussain
Kreativität, Technizität und Autopoiesis. Zur Bedeutung des Homo faber für das Verständnis der frühesten Menschheitsgeschichte
DOI: 10.14361/zfk-2018-120206
 
Shumon T. Hussain widmet sich in seinem Beitrag der Bedeutung des Homo faber für das Verständnis der frühesten Menschheitsgeschichte. Der Autor skizziert die Grundproblematiken einer tiefgreifenden Analyse der Menschwerdung anhand des Spannungsverhältnisses zwischen den Leitmotiven Homo faber und Homo sapiens. Er zeigt dabei auf, dass der Homo sapiens Dreh- und Angelpunkt des vor allem anglophon geprägten Diskurses um die entwicklungsgeschichtliche Modernität des Menschen ist, während der Homo faber sich als Ausgangspunkt der insbesondere französischsprachigen Diskussion um die technikmediierte Ko-Evolution von Geist und Materie erweist. Die Gegenüberstellung dieser beiden Diskursfelder lässt zudem erkennen, dass erst im Prisma des Homo faber eine echte technikgeschichtliche Annäherung an die Menschwerdung möglich ist, wobei sich der intepretative Schwerpunkt aber unweigerlich auf die Alterität divergenter Evolutionspfade verschiebt. Spiegelt sich im Homo sapiens noch der Grundgedankte einer gewordenen Einheit des Menschen, betont die Homo-faber-Perspektive die Pluralität der Menschheit in der Tiefenzeit. Die Analyse macht insgesamt deutlich, dass die Idee des Homo faber für das Verständnis der Humanevolution nach wie vor von Bedeutung ist und entscheidende Impulse für die Paläolithforschung liefern kann. Der Beitrag schließt deshalb mit einem Plädoyer für die konzeptuelle und problemorientierte Abarbeitung am Konzept des Homo faber in der Alsteinzeitforschung.
 
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