Details zu 10.14361/zig-2019-100105

Levan Tsagareli
Das intrakulturell Fremde in Grigol Robakidses Roman Die Hüter des Grals
DOI: 10.14361/zig-2019-100105
 
Levan Tsagareli untersucht die semantische Funktion des intrakulturellen Fremden im Roman des georgischen Autors Grigol Robakidse »Die Hüter des Grals«, der 1937 während seines Exils in Deutschland verfasst wurde. Der Roman wird angesichts seines performativen Charakters als eine Reaktion auf die Sowjetisierung Georgiens gelesen: Er konstruiert affektiv aufgeladene Selbst- und Fremdbilder mit dem Ziel, bei der Leserschaft bestimmte Einstellungen und Handlungen auszulösen. Indem Robakidse die Selbst- und Fremdbilder anhand ideologischer (und nicht ethnischer) Merkmale trennt, ordnet er Georgien der abendländischen Kultur zu. Zugleich richtet sich die Konstruktion des georgischen Selbstbildes an einen europäischen bzw. deutschen Rezipienten und bezweckt, diesen mit einem unbekannten Land vertraut zu machen. Folglich kann »Die Hüter des Grals« als ein exophones Projekt gelesen werden, welches georgische und abendländische Identitäten miteinander verbinden und diese »dem Bolschewiken« als dem kulturellen Anderen entgegenstellen sollte.
 
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