Details zu 10.14361/zig-2020-110105

Herbert Uerlings
Verschwiegene Gründungsgewalt. Anna Seghers' Das Licht auf dem Galgen (Fragment, 1948/49)
DOI: 10.14361/zig-2020-110105
 
Herbert Uerlings befasst sich mit dem Beginn einer postkolonialen Nachkriegsliteratur in Deutschland: Anna Seghers' »Karibische Geschichten«, mit denen sie nach ihrer Rückkehr aus dem mexikanischen Exil im Frühjahr 1947 begann, drei historische Erzählungen über Anti-Sklaverei-Revolten in der Karibik um 1800. Der Zyklus konnte jedoch erst 1960 abgeschlossen werden, da die Arbeit an der dritten Erzählung, »Das Licht auf dem Galgen«, unterbrochen werden musste. Warum? Die »Karibischen Geschichten« handeln explizit und/oder implizit von Gewalt und Revolution zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten: der Französischen Revolution, der Haitianischen Revolution, der Mexikanischen Revolution und der Russischen Revolution unter Stalin sowie dem Aufbau der DDR. An der ursprünglichen Fassung von »Das Licht auf dem Galgen« von 1948 lässt sich zeigen, dass Seghers in schier unlösbare Schwierigkeiten mit dem Problem der »Gründungsgewalt« geriet, d.h. Legitimitätsparadoxie jeder Staatsgründung.
 
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