Details zu 10.14361/zig-2021-120106

Franziska Schößler
Postkolonialismus und Umwelt
Race, Gender und Öl in Lion Feuchtwangers Drama Die Petroleuminseln
DOI: 10.14361/zig-2021-120106
 
Franziska Schößler untersucht an der Schnittstelle von postkolonialen und umweltorientierten Ansätzen das Öl-Drama Die Petroleuminseln von Leon Feuchtwanger, das kolonial-kapitalistische Ausbeutungsdiskurse und -praktiken als monströse vorführt, sie als verdrängte in die westliche Moderne einschreibt und einem (imaginären) Matriarchat zuordnet. Die an Brecht geschulte Dramaturgie Feuchtwangers entwirft hoch fragile Machtpositionen, die sich mit subalternen überlagern und in eine gemeinsame Bildsprache der Abwertung integriert sind. In der »Risikogesellschaft« der Moderne (Beck) mit ihrem Energie- und Konsumhunger können Bedrohungen, so zeigen die ambigen Figuren, nicht mehr lokal eingehegt werden, sondern ziehen die gesamte Erde in Mitleidenschaft. Die unerwünschten Nebeneffekte des Rohstoffgewinns (wie die Verhunzung der Landschaft zum locus terribilis und prekäre Arbeitsbedingungen) lassen sich nicht mehr auf Andere verschieben, sondern betreffen auch die weißen westlichen Kulturen.
 
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