Details zu 10.14361/zig-2021-120112

David Simo, Jean Bertrand Miguoué
Südsee-Projektionen in der deutschen Gegenwartsliteratur
Transnationale Imaginationen ferner Welten in ausgewählten Texten von Buch, Capus und Kracht
DOI: 10.14361/zig-2021-120112
 
Deutsche Schriftsteller imaginieren und gestalten den südpazifischen Raum aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Motivationen. Dass dieser Raum im Laufe der modernen Geschichte Europäer fasziniert hat, ist nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen nachgewiesen, sondern auch in vielen Berichten europäischer Reisender. Aus diesem Grund wurde sowohl im wissenschaftlichen als auch im literarischen Diskurs diese Region von Europäern durchaus ambivalent konstruiert. Es dominiert in diversen Publikationen die Konstruktion dieses Raums als »Südseeparadies« bzw. »Wunschraum«, deren Einwohner als Naturmenschen bzw. edle Wilde vorgestellt wurden. Viele Texte stellen in Bezug auf die Bewohner der Südsee den Kannibalen als Pendant des edlen Wilden und Paradies-Menschen dar Die Geschichte dieser Südsee-Imagination und -Konstruktion kann am Beispiel repräsentativer Publikationen rekonstruiert werden, so etwa aus Forschungs- und Entdeckungsfahrten von Georg Forster über die Arbeiten der Anthropologen Karl Eduard Meinecke und Bronislaw Malinowski bis hin zu den heutigen literarischen und medialen Darstellungen. Die in diesem Beitrag untersuchten Texte von Buch, Capus und Kracht bestätigen zunächst die stereotypisierte Vorstellung der Südsee. Aber sie erweisen sich auch als Orte der Infragestellung einer statischen und stereotypisierten Imagination und Darstellung dieser Region. Es werden Bewegungen, Überkreuzungen und Interaktionen hervorgehoben, die deutlich machen, dass sich die Südsee immer in einem transregionalen und globalen Interaktionsprozess befindet, der auch in Europa Wirkung hat.
 
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