Details zu 10.14361/9783839438619-011

Heiner Krellig
"Gl'effetti della natura tua maestra" Zu den Begriffen ,Natur' und ,Natürlichkeit' in der bildenden Kunst und Kunsttheorie vor 1800
DOI: 10.14361/9783839438619-011
 
Heiner Krellig entwickelt eine Begriffsgeschichte des Natur-Begriffs in den Bildenden Künsten entlang der wichtigsten kunsttheorischen Quellentexte aus der Zeit vor 1800. Er geht dabei von historischen lexikalischen Definitionen aus und rekonstruiert dann eine Geschichte der Benutzung des Begriffs »Natur« in zentralen Traktaten der Architektur-, Kunst- und Gartentheorie von Leon Battista Alberti und Palladio über die Vertreter der französisch dominierten Kunsttheorie des 17. und 18. Jahrhunderts bis hin zu dem Klassizismus zugewandten Autoren wie Francesco Algarotti und Johann Joachim Winckelmann und den Theoretikern des Englischen Landschaftsgarten, wo die Kunst ihr Verhältnis zur Natur von der Nachahmung zur Verbesserung der Natur wandelt. Erstaunlich ist dabei, dass der Begriff »Natürlichkeit« im heute noch häufig mitschwingenden Sinne einer »Ungezwungenheit«, »Unverbildetheit« oder »Naivetät« in den Quellentexten der Kunstliteratur lange Zeit praktisch absent ist. Von einer Bedeutung des Wortes »Natur«, die nichts Anderes meint als die von der Kunst nachzuahmende äußere Wirklichkeit, entwickelt sich das Konzept der Natürlichkeit im späten 18. Jahrhundert zu einem mode- und sittenkritischen Kampfbegriff, der sehr bald zunehmend auch nationalchauvinistische Züge annimmt.
 
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