Details zu 10.14361/9783839442043-012

Sabine Gebhardt Fink
Das "Unabgegoltene" in den Blick nehmen: Politiken und Praktiken von Performance-Kunst in der Gegenwart
DOI: 10.14361/9783839442043-012
 
In ihrem Beitrag setzt sich die Co-Herausgeberin der Performance Chronik Basel (Floating Gaps Berlin/Zürich 2012 und »Aufzeichnen und Erinnern« Berlin 2016) mit dem Phänomen der zahlreichen aktuellen Geschichtsschreibungen zur Performance-Kunst in Europa auseinander. Dabei geht sie von der These aus, dass trotz der historischen Narrative eine Auseinandersetzung mit der Theoriebildung zu politischen Praktiken der Performance weitgehend fehlt. In einer Re-Lektüre von Peggy Phelans politischer Ontologie der Performance arbeitet sie heraus, dass gerade im Überkreuzen unterschiedlicher »Gegenwärtigkeiten« zwischen Akteur*innen und Teilnehmer*innen dieses politische Potential der Performance-Kunst zu sehen ist. Denn vielen künstlerischen Strategien der Performance-Kunst ist es ein Anliegen, »das Unabgegoltene Vergangene« (Sigrid Schade) in einer Reaktivierung ins geteilte Blickfeld zu rücken. Die Bild- und Handlungsräume, welche Akteur*innen in Performances produzieren, sind bereits Symbolisierungen, welche – mit Schade gesprochen – »gerade nicht die Präsenz des Gemeinten, sondern dessen Abwesenheit« bezeichnen. Jede politische Performance-Praxis ist demnach als eine sich in-Divergenz-produzierende zu verstehen.
 
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