Details zu 10.14361/9783839442838-004

Andreas Oberprantacher
KUNST UND KAPITAL: SKIZZE EINER LEIDENSCHAFTLICHEN AFFÄRE
DOI: 10.14361/9783839442838-004
 
In dem Maße, wie sich ein gewisses Selbstverständnis von künstlerischer Kreativität seit den gesellschaftlichen Umbrüchen um 1968 als Ressource für eine Reorganisation kapitalistischer Interessen, ja für eine kapitalistische Revolution abseits von industrieller Massenfertigung und disziplinären Zwängen erwiesen hat, welche Unmengen von Menschen zu prekären Beschäftigungen und depressiven Phasen verurteilt, kann und muss die Frage gestellt werden, ob Kunst und Kapital so sehr voneinander profitieren, dass Widerstand kaum noch denkbar ist. Wie mit diesem Beitrag skizziert werden soll, wäre es jedenfalls eine unkritische Simplifizierung, würde man das künstlerische Engagement dem kapitalistischen Entrepreneurship prinzipiell gegenüberstellen, als ob das Eine nichts mit dem Anderen gemein hätte. Das Verhältnis von Kunst und Kapital ist insofern ein historisch kompliziertes, d.h. ein von verschiedenen Komplizen*innenschaften geprägtes, als sich wiederholte Male zeigt, wie sich kapitalistische Interessen und künstlerische Tätigkeiten - gerade im Namen der Kritik - miteinander arrangieren, und zwar so, dass sie sich wechselseitig regenerieren und legitimieren. Anders als jene Studien, die auf die Vermarktung von Artefakten fokussieren und betonen, wie sich Kunst und Kapital den Markt miteinander teilen und verwandte Marketingstrategien entwickeln, soll mit dieser Skizze illustriert werden, dass diese Komplizenschaft auch eine von kreativem Vermögen und depressiver Schuld ist, zumal in neokapitalistischer Diktion von Menschen verlangt wird, sie mögen sich wie Virtuosi selbst vorausgeben, ohne Rücksicht auf eigene Verluste.
 
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