Details zu 10.14361/9783839452028-010

Caterina Rohde-Abuba
»Doing Family« auf der Flucht und in Unterkünften
DOI: 10.14361/9783839452028-010
 
Familien stellen einen großen Anteil der Geflüchteten, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind. Basierend auf dem theoretischen Konzept des »doing family« geht dieser Beitrag der Frage nach, wie Bedingungen der Flucht und des deutschen Asylsystems Familienbeziehungen und familiäre care Praktiken beeinflussen. Die Analyse zeigt, dass Familien unterschiedliche Phasen miteinander verbundener geographischer und persönlicher (Im-)Mobilität erleben, die zur Transformation ihrer care Praktiken führen. Die aktive Entscheidung zur Flucht als Mobilisierung der Familie soll das Überleben und Wohl der Kinder sichern. Trotz ihrer hochgradigen geographischen Mobilität erfahren Familien die Flucht, Verteilung und Unterbringung in Deutschland als Phase der »persönlichen Immobilisierung«, da die Fremdbestimmung und Disziplinierung im Asylverfahren die Möglichkeiten von Familien einschränken, ihre Kinder zu beschützen und zu versorgen. Nachdem Familien eine (befristete) Aufenthaltserlaubnis erhalten haben, treten sie in die Phase der sozialen Aufwärtsmobilität mit sich wandelnden Verantwortlichkeiten und care Praktiken ein. Aufgrund ihres schnelleren Spracherwerbs übernehmen Kinder Verantwortung für die Kommunikation nach »außen« mit der Aufnahmegesellschaft und ihren Institutionen. Der Bildungserfolg, den viele Kinder mit Fluchterfahrung zeigen, stellt für ihre Eltern einen Beleg dar, dass die Entscheidung zur Flucht richtig war.
 
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