Details zu 10.14361/zkkw-2020-060209

Anne Deremetz, Tatjana Scheffler
Die Retribalisierung der Gesellschaft?
Transformationen von Twitter-Diskursen zu #DSGVO im Zeitverlauf
DOI: 10.14361/zkkw-2020-060209
 
Deremetz und Scheffler widmen sich in ihrem Beitrag der Analyse von Kommunikationsstrukturen digitaler Kollektive am Beispiel der Debatte um die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf Twitter. Sie diskutieren zunächst gegenwärtige Rekollektivierungsthesen und greifen insbesondere den Ansatz des Neo-Tribalismus von Michel Maffesoli auf, der diesen »modernen Stämmen« gewisse Eigenschaften zuschreibt. Diese Charakteristika zusammengefasst begreifen die Autorinnen als Retribalisierungsthese und fragen weiter nach ihrer Gültigkeit sowie ihrer empirischen Überprüfbarkeit in Online-Diskursen. Das methodologische Ziel des Beitrages ist, soziologische, theoriegeleitete Gesellschaftsdiagnosen mithilfe computergestützter Methoden in überprüfbare Hypothesen zu überführen und auf ihren Gültigkeitsanspruch zu testen. Hierzu schlagen die Autorinnen einen Analyserahmen vor, um die Retribalisierungsthese in netzwerk- und korpuslinguistische Termini zu überführen. Als Untersuchungsgegenstand dient ihnen die DSGVO-Debatte auf Twitter in einem Zeitraum von 3,5 Jahren (Dezember 2015 bis Juni 2018), woran sie untersuchen, ob eine Retribalisierung gesellschaftlicher Diskurse stattfindet. Sie zeigen anhand der entwickelten Methoden, dass die Retribalisierungsthese für diesen Diskurs zumindest teilweise zurückzuweisen ist und betonen die Wichtigkeit des Zusammenwirkens quantitativer Berechnungs- und qualitativer Interpretationsverfahren für multidisziplinäre Forschungsvorhaben digitaler Prozesse.
 
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