Der Trieb zum Erzählen

Sexualpathologie und Homosexualität, 1852-1914

Um 1900 erzählten Sexualwissenschaftler wie Richard von Krafft-Ebing, Albert Moll, Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch oder Sigmund Freud von einem krankhaften Trieb, mit dem sie eine einheitliche Homosexualität denkbar und erforschbar machten. Eine Wissenschaftsgeschichte der sexualpathologischen Fälle, Reportagen und Umfragen verdeutlicht sowohl disziplinierende und diskriminierende als auch plurale und liberale Momente des medizinischen Erzählens. Dieses Buch zeigt, dass sich die scheinbare Einheit der Homosexualität seit ihrer Konstitution als vieldeutig und brüchig erweist.

€29.80 *

2008-09-27, 382 pages
ISBN: 978-3-8376-1019-2

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Philippe Weber

Philippe Weber, Historiker, Schweiz

... mit Philippe Weber

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Wenn es nur eine einzige Welt gäbe, dann bräuchte es vielleicht mein Buch nicht. Grundlegend für unsere Welt ist allerdings, dass sie eben gerade aus vielen Welten besteht, und diese Pluralität gilt zweifellos auch für die modernen (Homo-)Sexualitäten. Mein Buch nimmt eine Genealogie dieser Pluralität vor und ist insofern zentral für das Verständnis einer Welt, die aus vielen Welten besteht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

»Der Trieb zum Erzählen« lädt zur Erkundung einer Homosexualität ein, die uns heute – hoffentlich – fremd ist. Das Buch nimmt diese Fremdheit ernst und kann so die Geschichte eines Triebs erzählen, der für die Homosexualitäten des 20. Jahrhunderts zentral werden sollte. Meine Analyse macht deutlich, dass nicht nur wir, sondern bereits die Ärzte um 1900 unsicher waren, was dieser Trieb überhaupt ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Seit den Arbeiten Michel Foucaults ist der medizinische Diskurs über Homosexualität um 1900 Brennpunkt der Debatten über das Verhältnis von Natur und Kultur und über Biopolitik, Disziplinierung und Befreiung. Mein Buch interveniert in diese Debatten, indem es eine neue Lektüre der medizinischen Wahrnehmung vornimmt, überraschende Chronologien nachzeichnet und zugleich den methodischen Versuch unternimmt, eine ›Poetologie des Wissens‹

(Joseph Vogl) für die Geschichswissenschaft nutzbar zu machen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Magnus Hirschfeld, Sigmund Freud und Michel Foucault.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Warum können wir in der medizinischen Wahrnehmung der Homosexualität einen Trieb zum Erzählen entdecken?

Author(s)
Philippe Weber
Book title
Der Trieb zum Erzählen Sexualpathologie und Homosexualität, 1852-1914
Publisher
transcript Verlag
Pages
382
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1019-2
DOI
Commodity Group
1691
BIC-Code
MBX PDX HBLW
BISAC-Code
MED051000 SCI034000 HIS037070
THEMA-Code
MBX PDX
Release date
2008-09-27
Edition
1
Topics
Medizin, Wissenschaft, Psychoanalyse
Readership
Wissenschaftsgeschichte, Medizingeschichte, Gender Studies, Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft
Keywords/Tags
History of Science, Medicine, Psychoanalysis, Science, History of Medicine, History of the 20th Century, Queer Theory, History

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