Akteur-Medien-Theorie

Die »Actor-Network-Theory« (ANT) stellt für die internationale Medienforschung eine Herausforderung dar, die auch in deutschsprachigen Publikationen mit zunehmender Intensität diskutiert wird. Statt von den geläufigen »Medien« der Medienforschung zu sprechen, benennt die ANT alle vermittelnden Größen der soziotechnischen Welt als »Mediatoren« und zeichnet dabei minutiös die medialen Vermittlungsschritte zwischen Personen, Artefakten und Zeichen nach, die in eine Reihe von arbeitsteiligen »Übersetzungsketten« Eingang gefunden haben.

Mit Übersetzungen der einschlägigen Publikationen von Antoine Hennion und Bruno Latour sowie durch eine Reihe von Einzeluntersuchungen zur Techniktheorie, Anthropologie und Ästhetik der Medien und Mediatoren stellt der Band die programmatische Verschiebung der Medienforschung dar und im Entwurf einer »Akteur-Medien-Theorie« zur Disposition.

€39.80 *

2013-09-27, 776 pages
ISBN: 978-3-8376-1020-8

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1. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Unser Buch beginnt mit einer Kritik an Benjamins Kunstwerk-Aufsatz, einer Gründungsurkunde der Medientheorie. Latour und Hennion wenden sich gegen Benjamins ständige Vertauschung von Wirtschaft, Politik, Kunst und Recht, und gegen seine Dichotomie von Original und Kopie, deren Sinn unter digitalen Bedingungen erodiert, aber auch den analogen Medien nicht gerecht wird. Die Aura der pompejanischen Trümmer lag in ihrer antiken Kopierbarkeit, aus der die Massenfertigung des Empirestils gewonnen wurde. Unser Band versucht, die positiven Konsequenzen aus dieser doppelten Kritik der klassischen Medientheorie zu ziehen.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Seit ihrer Gründung beschäftigt sich die Medienwissenschaft mit der Eigenmacht der Medien. Dies geschah bislang unter dem Aspekt der vorgegebenen Handlungsbahnen von Einzelmedien. Im internationalen Diskurs wurde durch die Akteur-Netzwerk-Theorie hingegen verstärkt die Frage nach der verteilten Handlungsinitiative einer Vielzahl von Alltagsmedien, populären und bürokratischen, in den Mittelpunkt gerückt. Unser Buch führt das aktuell meistdiskutierte Thema der deutschen Medientheorie mit phänomenorientierten Untersuchungen zusammen, um daraus die Fragestellung einer ›Akteur-Medien-Theorie‹ zu entwickeln.

3. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Der Band hat Handbuchcharakter. Er bietet eine umfassende Orientierung zu den möglichen Folgen der Wissenschafts- und Technikforschung für die Medienwissenschaft. Zur Vermittlung dieser Disziplinen hat die Akteur-Netzwerk-Theorie einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie die Handlungsinitiative von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren aufeinander bezieht und hierdurch die Rolle der Mittler betont. Das Buch präsentiert Übersetzungen von klassischen Aufsätzen der Akteur-Netzwerk-Theorie zu digitalen und analogen Medienpraktiken, die unsere Gegenwart prägen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen Akteuren, die in unserem Buch vorkommen. In der Reihenfolge ihres Auftretens sind das: Kopisten, Auratiker, Schlüsselträger, Prüflinge, Marsbewohner, Telegraphisten, 3D-Fotografen, Programmierer, Geister, Werbefachleute, Rechenschieber, Ärzte ohne Grenzen, Trancetänzerinnen, Bergsteiger, Kunstfälscher, Mp3-Hörer, Kerbholzzähler, Navigatorinnen, Nanoforscher, Kunstkritiker und Comiczeichner.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wenn Du etwas über die Medien erfahren willst, dann erforsche die Mittler und Zwischenhändler.

Book title
Akteur-Medien-Theorie
Publisher
transcript Verlag
Pages
776
Features
Hardcover, zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1020-8
Commodity Group
1744
BIC-Code
JFD
BISAC-Code
SOC052000
THEMA-Code
JBCT
Release date
2013-09-27
Edition
1
Topics
Medien, Technik
Readership
Medienwissenschaft, Kunstwissenschaft, Wissenschaftsforschung, Literaturwissenschaft, Techniksoziologie, Ethnologie
Keywords/Tags
Media, Media Theory, Technology, Sociology of Media, Media Studies

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