Scham und Schuld

Geschlechter(sub)texte der Shoah

»Scham« und »Schuld« – zentrale Narrationen, in denen die Verbrechen der Shoah verhandelt werden. Ihre geschlechtliche Codierung und strategisch-diskursive Verwendung in Bezug auf nationalsozialistische Täterschaft steht im Zentrum dieses Bandes.

Aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven fragen die Beiträger_innen unter anderem: Welche Bedeutung kommt der Verschränkung von Geschlecht und Religion bei der Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer Schuld zu? In welchem diskursiven Geflecht stehen juristische/moralische Schuld und weibliche Täterschaft? Welche Bedeutungen haben Schamgefühle für die Weitergabe von Schuld in familiären Zusammenhängen?

€29.80 *

2010-10-27, 328 pages
ISBN: 978-3-8376-1245-5

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Nadine Teuber, Psychologin und Psychoanalytikerin (Frankfurt a.M.), Deutschland

... mit Maja Figge, Konstanze Hanitzsch und Dipl.-Psych. Nadine Teuber

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Vor dem Hintergrund, dass Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in naher Zukunft nicht mehr befragt werden können, sind Untersuchungen zur (unbewussten) Weitergabe der Geschichte der Shoah und nationalsozialistischer Täterschaft wichtig.

Unser Buch fokussiert die bisher vernachlässigten geschlechtlich codierten Subtexte des Fortwirkens der Shoah.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Scham und Schuld sind in der Auseinandersetzung mit der Shoah implizit oder explizit als wirkmächtige Emotionen präsent. Die geschlechtliche Codierung dieser Emotionen im Fortwirken der Shoah zum Untersuchungsgegenstand zu machen, ist bisher in der wissenschaftlichen Forschung nur vereinzelt geschehen. Die Interdisziplinarität des Bandes verschafft dem Leser/der Leserin einen Überblick über das breite Forschungsfeld ›Shoah und Gender‹.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die geschlechtsspezifischen Codierungen der Emotionen Scham und Schuld zu berücksichtigen, eröffnet die Möglichkeit einer Analyse unbewusster Normen und Bilder, die in vergangenheitspolitischen Diskursen eine Rolle spielen. Deutlich werden so u.a. Entlastungsstrategien, Schuldabwehr und unbewusste Tradierungen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Raphael Gross und Jonathan Littell. Anhand von Gross' Studie zur nationalsozialistischen Moral ›Anständig geblieben‹ wäre gemeinsam zu überlegen, welche Überschneidungen zwischen Emotionen, Gender und Moral bestehen.

Littell hat in ›Die Wohlgesinnten‹ mit dem SS-Mann Max Aue eine fiktive Täterfigur geschaffen, die er schamlos ausleuchtet. Vor dem Hintergrund seiner literarischen Verarbeitung der Shoah und der zahlreichen diskursiven Bezüge wären die genderspezifischen Deutungen von Täterschaft zu diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah« versammelt interdisziplinäre Forschungsansätze und schärft den Blick für die politische Bedeutung unbewusster Setzungen und deren Verbindung mit der Kategorie Geschlecht im deutschen Erinnerungsdiskurs.

Book title
Scham und Schuld Geschlechter(sub)texte der Shoah
Publisher
transcript Verlag
Pages
328
Features
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1245-5
DOI
Commodity Group
1726
BIC-Code
JFSJ HBLW DSB
BISAC-Code
SOC032000 HIS037070 LIT000000
THEMA-Code
JBSF DSB
Release date
2010-10-27
Edition
1
Topics
Geschlecht, Judentum, Kulturgeschichte
Readership
Gender Studies, Literaturwissenschaft, Geschichte, Kulturwissenschaft, Psychoanalyse, Soziologie, Ethnologie
Keywords/Tags
Judaism, Gender, Cultural History, Gender Studies, History of the 20th Century, General Literature Studies, Cultural Studies

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