Frauenzeitschriften aus der Sicht ihrer Leserinnen

Die Rezeption von »Brigitte« im Kontext von Biografie, Alltag und Doing Gender

Warum und auf welche Weise nutzen Frauen klassische Frauenzeitschriften? Die Studie beantwortet diese Frage auf Basis qualitativer Tiefeninterviews mit »Brigitte«-Leserinnen und analysiert die lebensgeschichtliche Entwicklung der Rezeption, ihre Integration in den Alltag sowie Prozesse des »Doing Gender«. Die Befunde machen u.a. deutlich, dass die Leserinnen das Medium als »Kompendium weiblicher Alltagskultur« verstehen und im Alltag als »symbolischen Feierabend« nutzen. Gender wird während der Rezeption performativ zum Ausdruck gebracht. Seine (De-)Konstruktion bestätigt sich als produktives, nicht aber als subversives Moment der Rezeption: »Weiblichkeit« wird aufgewertet, Zweigeschlechtlichkeit jedoch fortgeschrieben.

€34.80 *

2010-04-27, 456 pages
ISBN: 978-3-8376-1286-8

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Kathrin Friederike Müller

Kathrin Friederike Müller, Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland

... mit Kathrin Friederike Müller

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Das Buch zeigt Frauen als selbstständige und eigensinnige Medienhandelnde – also in einer Rolle, die ihnen in Wissenschaft und Öffentlichkeit nicht zugetraut wurde. Lange wurde angenommen, dass beim Lesen von Frauenzeitschriften fehlgeleitete Frauenbilder vermittelt würden. Das Buch räumt mit diesem Vorurteil auf. Die Leserinnen kommen selbst zu Wort: Sie werden zu ihrer Mediennutzung befragt und als Konstrukteurinnen ihrer geschlechtlichen Identität ernst genommen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im Zentrum steht die Frage, warum Menschen Medieninhalte nutzen, die ihre Zielgruppe über das Geschlecht ansprechen. Die Befunde zeigen, dass die Leserinnen in der Frauenzeitschrift ›Brigitte‹ eine Auseinandersetzung mit als spezifisch weiblich erlebten Themen und Erfahrungen suchen, die in anderen Medien ausgespart werden. Feminine Geschlechterrollenentwürfe übernehmen sie nicht einfach, sondern handeln sie in einem Spektrum von Identifikation, Modifikation und Opposition aus.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Studie thematisiert als eine der ersten empirischen Analysen, wie Frauen in ihrem Medienhandeln ›Gender‹ herstellen. Eingebettet in die Theorien des (De-)Konstruktivismus und der Cultural Studies spürt sie Momente der Erhaltung und der Infragestellung des Systems der Zweigeschlechtlichkeit und damit von Macht auf. So gibt sie Erklärungen, wie über die Konstruktion von Geschlecht bei der Mediennutzung gesellschaftsverändernde und stabilisierende Effekte zum Tragen kommen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde das Buch gerne mit Alice Schwarzer diskutieren. Schließlich ist sie im Themengebiet ›Frauenzeitschriften‹ als Theoretikerin und Praktikerin eine etablierte Persönlichkeit und würde deshalb die Studie aus vielfältigen Perspektiven betrachten. Darüber hinaus gäbe es sicher zwischen ihrer gleichheitsfeministischen Haltung und meiner dekonstruktivistischen interessante Differenzen, die eine anregende Debatte zur Folge hätten. Zudem träfen zwei Generationen emanzipierter Frauen aufeinander.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Frauenzeitschriftenlesen ist besser als sein Ruf: Es erlaubt eine produktive Beschäftigung mit Femininität. Gesellschaftliche Brisanz erhält es jedoch durch die Festigung des Systems der Zweigeschlechtlichkeit.

Foto: R. Brinkhoff/leuphana

Book title
Frauenzeitschriften aus der Sicht ihrer Leserinnen Die Rezeption von »Brigitte« im Kontext von Biografie, Alltag und Doing Gender
Publisher
transcript Verlag
Pages
456
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1286-8
DOI
Commodity Group
1726
BIC-Code
JFSJ JFD
BISAC-Code
SOC032000 SOC052000
THEMA-Code
JBSF JBCT
Release date
2010-04-27
Edition
1
Topics
Geschlecht, Medien
Readership
Kommunikationswissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie
Keywords/Tags
Gender Studies, Cultural Studies, Qualitative Social Research, Gender, Media, Analogue Media, Sociology of Media, Pedagogy

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