Unrein und vermischt

Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«

»Hybridität« hat sich zu einem modischen Schlagwort entwickelt. Mit diesem Band erscheint international erstmalig eine umfassende Analyse der Kulturgeschichte dieses Begriffs. Ausgehend von einer Kritik der deutschsprachigen Rezeption arbeitet Kien Nghi Ha aus einer postkolonialen Perspektive die unterschiedlichen historischen Phasen und gesellschaftlichen Kontexte von der europäischen Antike über die koloniale Moderne bis zur Gegenwart auf. Gestützt auf eine breite Materiallage kann er zeigen, dass Hybridität als gesellschaftsdefinierende Frage der sozio-kulturellen Grenzüberschreitung und »Rassenvermischung« stets mit ambivalenten Formen der Rassifizierung, Hierarchisierung und Verwertung verbunden ist.

Auszeichnung

Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2011

€29.80 *

2010-05-27, 320 pages
ISBN: 978-3-8376-1331-5

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Kien Nghi Ha

Kien Nghi Ha, Hebbel am Ufer Theater und Haus der Kulturen der Welt Berlin, Deutschland

... mit Kien Nghi Ha

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Fragen der kulturellen Unreinheit sind seit jeher zentral für das gesellschaftliche Selbstverständnis, da sie die sozial hergestellten Demarkationslinien zwischen dem Anerkannten und dem Auszuschließenden markieren. Hybridität nicht als zeitgeistige Modeerscheinung, sondern als konstitutives Element in der machtbesetzten Zuweisung und Aushandlung von Identität und Differenz zu begreifen, kann daher unseren Blick für miteinander verflochtene Geschichten und sich überlappende Kulturräume in der unabgeschlossenen kolonialen Moderne schärfen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Vor dem Hintergrund der historischen wie aktuellen Konfigurationen vollziehen sich kulturelle Grenzverschiebungen, die auf der einen Seite mit Innovation sowie Differenzkonsum und auf der anderen mit der Artikulation von Dissidenz verbunden sind. In Zeiten einer globalisierten Kulturökonomie und transnationaler Migrationen nehmen postkoloniale Prozesse der kulturellen Grenzüberschreitung neue Formen an, die – wie etwa das kanakische Signifying – auf widersprüchliche Weise das koloniale Repertoire neu erkunden und dabei zwischen kulturindustrieller Verwertung und Widerstand changieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mein Ansatz zielt zum einen darauf ab, die historischen Rahmenbedingungen des eurozentrischen Hybriditäts- und Rassendiskurses, insbesondere für den deutschen Kontext, zu vermessen. Zum anderen liegt der kritische Fokus in der Analyse der gegenwärtigen Transformationen in der nationalstaatlich organisierten Migrationsgesellschaft. Obwohl die ökonomischen und technologischen Modelle wie die politischen Repräsentationsformen in der zunehmend postmodernisierten Kulturlandschaft sich transnational hybridisieren, werden Dominanz- und Ausschlussverhältnisse fortgeschrieben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich verdanke Homi Bhabhas Buch ›The Location of Culture‹ (1994) mein Interesse an postkolonialen Lesarten der Hybridisierung, die nicht als harmonische kulturelle Vermischung misszuverstehen ist, sondern koloniale Autorität in Zweifel zieht. Angesichts meiner neuen Forschungsarbeit würde ich mich gerne mit Forscher/-innen wie Mita Banerjee, Olivia Khoo, Cuong Nguyen Le, Mimi Thi Nguyen, Thuy Linh Nguyen Tu, Vijay Prasad, Lok Siu, Sukhdev Sandhu, John Kuo Wei Tchen, Trinh Minh-ha und Sau-Ling Wong über Hybridität und Asian Diasporic Studies austauschen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es ist eine Kulturgeschichte der Hybridität, die ihre diskursiven Voraussetzungen und gesellschaftlichen Auswirkungen innerhalb eines globalen Rahmens untersucht und aus einer postkolonialen Perspektive deutet.

Author(s)
Kien Nghi Ha
Book title
Unrein und vermischt Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«
Publisher
transcript Verlag
Pages
320
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1331-5
DOI
Commodity Group
1728
BIC-Code
JFSL HBTR HBTB
BISAC-Code
SOC031000 POL045000 HIS054000
THEMA-Code
JBSL1 NHTR NHTB
Release date
2010-05-27
Edition
1
Topics
Postkolonialismus, Rassismus, Kulturgeschichte
Readership
Kulturwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Ethnologie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Critical Race Theory, Amerika-Studien
Keywords/Tags
Culture, Postcolonialism, Racism, Cultural History, Cultural Studies

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