Feindliches Fernsehen

Das DDR-Fernsehen und seine Strategien im Umgang mit dem westdeutschen Fernsehen

Fernsehen in der DDR war sowohl für die Zuschauer als auch für die Programmmacher mehr als nur das DDR-Fernsehen. Der Blick in den Westen bzw. in seine Fernsehprogramme war allgegenwärtig: Im Osten sah man auch den Westen. Die »feindlichen« Sender machten dem Fernsehen der DDR aber nicht nur die Zuschauer abspenstig, sie setzten mit ihrem Programmangebot auch Maßstäbe und fungierten immer wieder als Messlatte für eigene Leistungen. Claudia Dittmar liefert erstmals eine (ost-)deutsche Fernsehgeschichte von den 1950er bis zu den 1980er Jahren, die auf das Konkurrenzverhältnis beider deutscher Fernsehsysteme fokussiert ist – und damit den Kalten Krieg im Äther rekonstruiert.

€34.80 *

2010-10-18, 494 pages
ISBN: 978-3-8376-1434-3

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Claudia Dittmar

Claudia Dittmar, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

... mit Claudia Dittmar

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Auch 20 Jahre nach dem Ende der DDR ist die Frage noch aktuell, wie sie so lange hat bestehen können. Ein machtvolles Instrument war das Fernsehen. Dieses Buch zeigt, wie es eingesetzt wurde, um das System zu stabilisieren, aber auch wie es scheitern musste, weil es den hohen Erwartungen nicht genügen konnte. Es wird klar, warum dem starken Konkurrenten ›Westfernsehen‹ nicht beizukommen war: Man sah darin nur ein ›feindliches Programm‹ ohne echte Wettbewerbsstrategien entwickeln zu können.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der bisherige Forschungsdiskurs hat in einer Art Schwarzweiß-Malerei die Bedeutung des Fernsehens der BRD zu stark vereinfacht: Die DDR-Bürger wären jeden Abend ›virtuell‹ ausgereist und darum hätte das Ostfernsehen am Ende nur noch ARD und ZDF kopiert. Tatsächlich war auch das eigene Programm in der DDR erfolgreich und die Westsender wurden selten nachgeahmt, dafür aber umso intensiver beobachtet und permanent in einer als ideologischen Ätherkrieg interpretierten Auseinandersetzung bekämpft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das DDR-Fernsehen steht modellhaft für Fernsehsysteme in nicht-demokratischen Staaten, in denen die Medien staatlich gelenkt sind und die Bürger indoktrinieren sollen (z.B. Iran oder China). Der Rückblick auf die DDR kann helfen zu verstehen, wie diese Staatsmedien, insbesondere das Fernsehen, funktionieren, unter welchen Rahmenbedingungen deren Macher arbeiten und wie sie sich zur westlichen Konkurrenz verhalten. Damit wird ein Verständnis für Medien möglich, die nicht frei zu untersuchen sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Weitere Diskussionen mit DDR-Fernsehmachern wären interessant, um genauer zu eruieren, wie sie außerhalb des untersuchten offiziellen Diskurses agierten – bevorzugt mit dem Ex-Fernsehchef Heinz Adameck. Eine Debatte mit den Produzenten des Westfernsehens ergäbe das Gegenbild der Untersuchung: Wie war der Einfluss des DDR-Fernsehens auf das der BRD? Nicht zuletzt wäre es interessant, mit ›Planern und Leitern‹ von auch heute noch staatlich gelenkten Fernsehsendern ins Gespräch zu kommen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Fernsehen in der DDR war mehr als nur das DDR-Fernsehen – für die Zuschauer und für die Programmmacher, der Blick auf den westlichen Bildschirm war allgegenwärtig.

Author(s)
Claudia Dittmar
Book title
Feindliches Fernsehen Das DDR-Fernsehen und seine Strategien im Umgang mit dem westdeutschen Fernsehen
Publisher
transcript Verlag
Pages
494
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1434-3
DOI
Commodity Group
1558
BIC-Code
HBJD JFD HBLW
BISAC-Code
HIS014000 SOC052000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD JBCT
Release date
2010-10-18
Edition
1
Topics
Fernsehen, Politik
Readership
Medienwissenschaften, Geschichte, Kommunikationswissenschaften, Kulturwissenschaften
Keywords/Tags
Television, Media, Politics, German History, Media History, History of the 20th Century, History

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