Vermessung des Verbrechers

Die Kriminalbiologische Untersuchung in Bayern, 1923-1945

Die Praxis der »Kriminalbiologischen Untersuchung« unterwarf Strafgefangene in Bayern detaillierten Vermessungs- und Erfassungspraktiken: 1923 mit dem Ziel eingerichtet, besserungsfähige von unverbesserlichen Verbrechern unterscheiden zu können, wurden mit dieser Methode Biographie, Leben und Persönlichkeit von Gefangenen bestimmt, ihre Körper vermessen und sie selbst sowie ihre Verwandten erbbiologisch erfasst. Unter wissenshistorischer Perspektive gibt Thomas Kailer Einblicke in diese extensiven Vermessungs- und Erfassungspraktiken, die von der kriminalbiologischen Annahme eines Zusammenhangs von biologischer Disposition und Kriminalität dominiert waren.

€35.80 *

2010-12-13, 440 pages
ISBN: 978-3-8376-1614-9

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Thomas Kailer

Thomas Kailer, Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

... mit Thomas Kailer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Oder doch? Es ist vielleicht ein Beitrag zu der Frage, wozu das Bedürfnis, abweichendes Verhalten zu erklären und zu bekämpfen, führen kann. Die kriminalbiologische Vermessung von Verbrechern reduzierte Menschen auf eine Ansammlung von ›schlechten‹ Anlagen und Eigenschaften und sprach ihnen damit oft Menschlichkeit, also Verantwortungs- und Entscheidungsfähigkeit, ab. Im Nationalsozialismus fand diese Abwertung bestimmter Menschen ihre Fortsetzung in deren Verachtung und Vernichtung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es wirft einen wissenshistorischen Blick auf die Produktion von Wissen (über Verbrecher) in einer Zeit, in der die Quantifizierung und Qualifizierung des Sozialen vor biologischen Werturteilen über Menschen nicht Halt machte. Es blickt auf die Instrumente zur Produktion dieses Wissens - und auf die Haltung, die zur Entwicklung und zum Einsatz dieser Instrumente geführt hat. Es zeigt, wie Körper durch Messungen ›fragmentiert‹ und durch Interpretation der Daten ›reintegriert‹ wurden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Frage nach Produktion und Etablierung von Wissen in humanwissenschaftlichen Feldern wird an einem Instrument der extensiven Wissensproduktion, der Kriminalbiologischen Untersuchung, diskutiert. Die Rolle, die Experten in diesen Feldern spiel(t)en, wird am Beispiel von Theodor Viernstein exemplifiziert. Der körpergeschichtliche Diskurs um das Konzept des ›mapping the body‹ wird am Beispiel der Vermessung des Verbrecher(körper)s konkretisiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit dem leider bereits verstorbenen Biologen Stephen J. Gould, der ein inspirierendes Buch über die (falsche) Vermessung des Menschen geschrieben hat.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine körper- und wissenshistorische Untersuchung der Vermessung und Qualifizierung von Menschen und ihrem abweichenden Verhalten.

Author(s)
Thomas Kailer
Book title
Vermessung des Verbrechers Die Kriminalbiologische Untersuchung in Bayern, 1923-1945
Publisher
transcript Verlag
Pages
440
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1614-9
DOI
Commodity Group
1558
BIC-Code
HBJD PDX HBLW
BISAC-Code
HIS014000 SCI034000 HIS037070
THEMA-Code
NHD PDX
Release date
2010-12-13
Edition
1
Topics
Medizin, Körper, Wissenschaft, Biopolitik
Readership
Geschichte, Wissenschaftsgeschichte, Rechtswissenschaft, Kriminologiegeschichte, Körpergeschichte
Keywords/Tags
Science, Body, Medicine, German History, History of Science, History of the 20th Century, History of Medicine, History

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