Vom Häuserkampf zu neuen urbanen Lebensformen

Städtische Bewegungen der 1980er Jahre aus einer raumtheoretischen Perspektive

Raum wird sozial produziert. Am Beispiel von umkämpften städtischen Räumen zeigt Sabin Bieri auf, wie der so genannte »spatial turn« die Sozialwissenschaften herausfordert und neue Fragestellungen produziert. Ausgangspunkt des Buches ist ein Verständnis von »Geographie« als eine Praxis, mittels derer Zugehörigkeiten geschaffen werden. Die Schauplätze der 1980er-Bewegung in der Stadt Bern werden unter konsequenter Berücksichtigung geschlechtertheoretischer Erkenntnisse als ›Tatorte‹ der Produktion des Urbanen beleuchtet. Es zeigt sich: Die neuen Formen des Zusammenlebens, die dabei erstritten, erprobt und entwickelt wurden, prägen bis heute die Vorstellung von Stadt und bestimmen zudem die Qualität innerstädtischer Lebensräume.

€36.80 *

2012-09-18, 502 pages
ISBN: 978-3-8376-1704-7

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Sabin Bieri

Sabin Bieri, Universität Bern, Schweiz

... mit Sabin Bieri

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Das Buch ist eine Studie über das Urbane – also über die Lebensform der Mehrheit. Unsere Lebensentwürfe sind hoch individualisiert, Autonomie, Freiheit und Vielfalt sind wichtige Werte. Diese Qualität des Städtischen ist eine Errungenschaft, keine Selbstverständlichkeit. Es brauchte Freiräume, um die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten und unterschiedliche Formen des Zusammenlebens zu erproben. Die Häuserkämpfe der 1980er Jahre forderten die Konventionen des bürgerlichen Zusammenlebens heraus und verwischten die Trennung zwischen öffentlichem und privatem Raum.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch soll den Leserinnen und Lesern neue Sichtweisen auf ihre alltagsnahen Lebensräume eröffnen. Gleichzeitig verdeutlicht der geographische Blick die politische Dimension dieser Räume, er beleuchtet ihr Gewordensein und betont ihre Veränderbarkeit. Die historische Aufarbeitung der sozialen Bewegungen lenkt den Fokus zudem auf die soziale Qualität von Raum. Diese Perspektive ist zwar nicht neu, sondern geht unter anderem auf Arbeiten von Doreen Massey aus den 1990er Jahren zurück. Die Anwendung und Weiterentwicklung des Konzepts sowie die Befragung des Materials unter einer Genderperspektive verspricht aber einige Innovationen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Neue Kulturgeographie untersucht seit einigen Jahren wie der öffentliche Raum durch vielfältige und zum Teil mächtige Nutzungsansprüche unter zunehmenden Druck gerät. Im Vordergrund stehen Zugänglichkeit und sozialer Ausschluss, darüber hinaus werden Bezüge zwischen Planungs- und Wohnpolitik und der Verfestigung gesellschaftlicher Normen herausgearbeitet. Die Soziologie ist in den letzten Jahren räumlicher geworden, und im Rahmen dieser Entwicklung sind geographische Ansätze höchst anschlussfähig.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit ein paar Lieblingsgeografen und -geografinnen: Doreen Massey, David Harvey, Don Mitchell und Tim Cresswell. Und gerne auch mit Künstlerinnen oder Künstlern, die den öffentlichen Raum bespielen: Pippilotti Rist, Olafur Eliasson.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch ist eine Anleitung zur ›Ent-Selbstverständlichung‹, wie eine Kollegin von mir zu sagen pflegt: Es verunsichert die Selbstverständlichkeiten, mit denen wir unsere Alltagsräume erklären, aneignen und beleben.

Author(s)
Sabin Bieri
Book title
Vom Häuserkampf zu neuen urbanen Lebensformen Städtische Bewegungen der 1980er Jahre aus einer raumtheoretischen Perspektive
Publisher
transcript Verlag
Pages
502
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1704-7
DOI
Commodity Group
1725
BIC-Code
JFSG RGC
BISAC-Code
SOC026030 SOC015000
THEMA-Code
JBSD RGC
Release date
2012-09-18
Edition
1
Topics
Raum, Zivilgesellschaft, Stadt
Readership
Geographie, Soziologie, Politologie, Gender Studies
Keywords/Tags
Urbanity, Space, Civil Society, Urban Studies, Social Geography, Sociology

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