Die andere Hälfte der Erinnerung

Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989

Der Umgang mit der DDR ist bis heute oft von Konflikten, Mythen und Zerrbildern geprägt.

Diese materialreiche Studie zeichnet detailliert die Verflechtungen von politischen und organisatorisch-finanziellen Interessen in der Gedenkstättenarbeit zur DDR-Vergangenheit nach und zeigt, dass die »Aufarbeitung« bisher letztlich von totalitarismustheoretischen Lesarten der DDR dominiert war. Auch wird bewiesen, dass die »Friedliche Revolution« von 1989 in Bezug auf das Ende der Stasi nicht so stattgefunden hat, wie es Geschichtsdarstellungen behaupten.

Ein Buch, das grundlegende Ergebnisse zur Geschichts- und Erinnerungspolitik der letzten 20 Jahre beisteuert und auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der DDR-Erinnerungskultur seit 1989 liefert.

€39.80 *

2011-11-04, 770 pages
ISBN: 978-3-8376-1773-3

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Carola S. Rudnick

Carola S. Rudnick, Pädagogisches Zentrum Gedenkstätte Bergen-Belsen, Deutschland

... mit Carola S. Rudnick

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Der Leser erhält seltene Einblicke hinter die Kulissen von Staatsumbruch und Diktaturaufarbeitung. Eigentlich wollte ich keine Abhandlung über ›Helden‹, ›Hymnen‹ und das große Vergessen ab Herbst 1989 schreiben, mit zunehmendem Vordringen in die Materie, kam ich jedoch um ein konsequentes Infragestellen offizieller Geschichtsbilder und nationaler Erfolgsgeschichten nicht umhin.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es werden etablierte Vorstellungen entmythologisiert. Es wird gegen den Strich gebürstet und aufgezeigt, wie sehr das Ende der DDR und ihre Aufarbeitung politisch hart umkämpft, ja von geschichtspolitischem Handeln geprägt waren. Verkürzte, undifferenzierte, gar einseitige Lesarten sind bis heute vielfach die Folge. Eine wissenschaftliche Erarbeitung dieser ›Erinnerungsarena‹ war nur möglich, weil mir hierfür auch interne Dokumente zugänglich gemacht wurden, die eher selten für Forschungen zur Verfügung stehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Eine Forschungsdebatte fand leider bisher nicht statt – weil nach den ersten Auseinandersetzungen Anfang der 90er Jahre niemand die ›Büchse der Pandora‹ wieder öffnen wollte. Selbst die Sabrow-Kommission ›umschiffte‹ noch 2006 eine Grundsatzdiskussion um geschichts- und erinnerungspolitische Schieflagen. Sie ist aber inzwischen längst überfällig. Mein Buch wagt hier einen ersten Schritt und begibt sich bewusst in den ›geschichtspolitischen Dschungel‹, um mit gebotener Distanz kritische Anstöße zu geben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich hatte das Glück mit vielen Akteuren der DDR-Aufarbeitung zu sprechen. Sie sind in Opferverbänden organisiert, sie arbeiten an Gedenkstätten oder verwalten Erinnerungskultur. Sie waren Impulsgeber oder Verhinderer, trieben die Aufarbeitung politisch bzw. wissenschaftlich voran oder blockierten sie. Zwei zentrale Personen habe ich jedoch nicht befragt: Joachim Gauck und Gregor Gysi. Ein Gespräch würde ich gerne nachholen, und zwar mit beiden gleichzeitig.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Aufgrund der Fülle an Material und des sicheren Urteils ein grundlegender Beitrag zum Verständnis deutscher Erinnerungslandschaften nach 1989.

Author(s)
Carola S. Rudnick
Book title
Die andere Hälfte der Erinnerung Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989
Publisher
transcript Verlag
Pages
770
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1773-3
DOI
Commodity Group
1558
BIC-Code
HBJD HBTB JFC
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 SOC022000
THEMA-Code
NHD NHTB JBCC
Release date
2011-11-04
Edition
1
Topics
Politik, Erinnerungskultur, Kulturgeschichte
Readership
Geschichtswissenschaften, Kulturwissenschaften, Politologie, (Gedenkstätten-)Pädagogik, Museologie, Philosophie und die interessierte Öffentlichkeit
Keywords/Tags
Politics, Memory Culture, Cultural History, German History, History of the 20th Century, History

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