Wilde Museen

Zur Museologie des Amateurmuseums

In den letzten Jahrzehnten sind im Zuge des Museumsbooms auch zahlreiche von Amateuren betriebene Museen entstanden. Was aber motiviert sie dazu? Was ist so attraktiv am Sammeln und Ausstellen?

Inspiriert von Claude Lévi-Strauss' Theorie des »wilden Denkens« hat Angela Jannelli eine Feldforschung in drei Amateurmuseen durchgeführt und dort erstmalig das Sammeln und Ausstellen als kulturelle Praxis untersucht.

Die so gewonnenen Einsichten werfen nicht nur ein neues Licht auf die Bedeutung von Dingen und den musealen Umgang mit ihnen, sondern auch auf das Museum als Wissensort und symbolischen Handlungsraum.

Für professionelle Museumsmacher bietet die Studie darüber hinaus wertvolle Anregungen für die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen oder die Realisierung partizipativer Projekte.

€33.80 *

2012-05-02, 390 pages
ISBN: 978-3-8376-1985-0

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Angela Jannelli

Angela Jannelli, Historisches Museum Frankfurt a.M., Deutschland

... mit Angela Jannelli

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Amateurmuseen sind in der Museologie ein kaum beachteter Forschungsgegenstand und werden als zugerümpelte, von hoffnungslosen Nostalgikern betriebene Räume der Gegenwartsflucht abgetan. Diese Haltung hat mich immer erstaunt, werden doch ca. 50% aller Museen von Amateuren betrieben. Was aber motiviert all diese Leute? Was ist so attraktiv am Museum? Unter einer solchen Fragestellung, die den Fokus auf das Museummachen als populäre kulturelle Praxis legt, wurden Amateurmuseen noch nie betrachtet.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meiner Arbeit habe ich Claude Lévi-Strauss' Theorie des ›wilden Denkens‹ auf die Museumswelt angewandt: Indem ich Amateurmuseen als ›wilde Museen‹ – also als nicht-wissenschaftliche aber der Wissenschaft gleichberechtigte Formen der Welterklärung – betrachtet habe, war es möglich, das Amateurmuseum als eigenständige kulturelle Äußerungsform zu begreifen und nicht lediglich als ›stammelnde Vorstufe‹ des wissenschaftlichen Museums abzutun. Das ›wilde Museum‹ wird so als wirkungsmächtiger symbolischer Handlungsraum sichtbar, die dem Sammeln und (An-)Ordnen innewohnenden sinn- und identitätsstiftenden Qualitäten treten deutlich hervor. Das (Amateur-)Museum zeigt sich als Raum, in dem es im buchstäblichen wie auch im übertragenen Sinn darum geht, die Dinge in Ordnung zu bringen. Die mündliche Überlieferung spielt dabei eine wichtige Rolle, werden ›die Dinge‹ doch vorwiegend in Führungen interpretiert und nicht durch Ausstellungstexte. Trotz ihrer Dingfixiertheit zeigen sich die Amateurmuseen damit als Orte der Oralität, als typische ›milieux narratifs‹ der Spätmoderne.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Für meine Untersuchung des Amateurmuseums als populäre kulturelle Praxis habe ich Forschungen aus den Bereichen Gedächtnis und Erinnerung, materielle Kultur und Narratologie, Raumsoziologie und Performanztheorie miteinander verwoben. Auf diese Weise war ein neuer Blick auf das Amateurmuseum möglich, ein Blick, der sich jenseits der Musealisierungstheorie der 1980/90er Jahre – die den Museumsboom als ein die Unsicherheiten des Fortschritts kompensierendes Phänomen interpretierte – und den Forderungen der New Museology nach einer stärkeren gesellschaftlichen Relevanz und der Integration von Laien in die Museumsarbeit bewegt. Durch meine Untersuchung konnte ich Antworten auf die Frage finden, welchen persönlichen und gesellschaftlichen ›Mehrwert‹ das Museummachen bietet. Für professionelle Museumsmacher liegt ein praktischer Nutzen meiner Arbeit darin, die häufig in der Zusammenarbeit mit Laien entstehenden Konflikte zu vermeiden, da sie für die oftmals grundverschiedenen Erwartungen der ›wissenschaftlichen‹ und der ›wilden‹ Museumsmacher sensibilisiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Claude Lévi-Strauss. Ich wüsste zu gerne, wie er die Anwendung seiner Theorie des ›wilden Denkens‹ auf die Museumswelt findet. Außerdem mit der Museologin Sharon Macdonald, die sich in jüngster Zeit auch mit der Bedeutung der Oralität in Museen auseinandersetzt.

5. Ihr Buch in einem Satz:

In meinem Buch geht es darum, warum das Medium Museum von so vielen Menschen genutzt wird und welche tiefen Bedürfnisse das Museummachen befriedigt.

Author(s)
Angela Jannelli
Book title
Wilde Museen Zur Museologie des Amateurmuseums
Publisher
transcript Verlag
Pages
390
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-1985-0
DOI
Commodity Group
1581
BIC-Code
GM
BISAC-Code
ART059000 BUS100000
THEMA-Code
GLZ
Release date
2012-05-02
Edition
1
Topics
Museum
Readership
Kulturwissenschaft, Museologie, Volkskunde, Ethnologie, Geschichte, Pädagogik
Keywords/Tags
Museum, Culture, Media, Museology, Practical Museography, Museum Management, Cultural Education

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