Antisemitismus im Kontext

Erkundungen in ethnisch heterogenen Jugendkulturen

Der Begriff »Jude« wird als Schimpfwort verwendet – und antisemitische Witze stellen einen Anlass zum gemeinsamen Lachen dar. Gruppendiskussionen, in denen Jugendliche solcherlei antisemitische Redensarten aufgreifen, stehen im Fokus dieses Buches.

Tim Seidenschnur geht den partikularen Gruppennormen nach, die zur nonchalanten Verwendung und Akzeptanz antisemitischer Redensarten führen und fragt nach den Bedingungen ausbleibenden Protests der Mitschüler. Zudem wird analysiert, ob und wie diese kontextuell gebundenen, antisemitischen Äußerungen in die politische Kultur der Bundesrepublik hinein wirken und wie sich das Empörungspotenzial auswirkt, das die sensibilisierte Öffentlichkeit empfindet.

€29.80 *

2013-01-31, 290 pages
ISBN: 978-3-8376-2293-5

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Tim Seidenschnur

Tim Seidenschnur, Universität Kassel, Deutschland

... mit Tim Seidenschnur

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Antisemitismus ist dann gefährlich, wenn man nicht von vornherein weiß, was am Ende dabei herauskommt. Das trifft aktuell auf die Jugendlichen zu, die in einem ethnisch heterogenen Milieu immer wieder durch antisemitische Äußerungen auffallen. Als ›Drecksjuden‹ bezeichnen sie in Gruppendiskussionen ihre Mitschüler und berichten von einer Gasmaske, die als ›Gag‹ an einen vermeintlich jüdischen Lehrer versendet worden ist. Es ist wichtig, solche Äußerungen zu thematisieren, um gegensteuern zu können.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Bei den antisemitischen Äußerungen der Jugendlichen handelt es sich um ein wildes Probieren, das aber feste Grenzen hat, wenn es sich zu menschenfeindlichem Antisemitismus in einem politisierenden Duktus entwickeln könnte. Die Bedingungen für einen ›kontextuellen Antisemitismus‹ sind deshalb nicht zuletzt im Sprachhandeln selbst zu sehen. Neue Perspektiven ergeben sich aus der sequentiellen Analyse der Gruppendiskussionen, die weder verharmlosend noch vorschnell alarmierend durchgeführt wird.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Thema dieses Buches liegt an einer Schnittstelle soziologischer Theorie und empirischer Sozialforschung. Die Arbeit bezieht sich auf Ulrich Oevermanns methodische Überlegungen zur Lesartenvariation, diskutiert gegenläufige Gedächtnisse, berücksichtigt Argumente der Rechtsradikalismusforschung und analysiert mit Goffmans Rahmentheorie die spezifischen kontextuellen Bedingungen des Sprachhandelns. Zudem leistet die Arbeit einen Beitrag zu präventiven Ansätzen in der politischen Bildung.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Thomas Krüger, dem Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, weil er den Antisemitismus in der DDR ebenso kannte, wie er den modernen Antisemitismus in der Bundesrepublik kennt. Darüber hinaus zeichnen ihn seine Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen und für Jugendliche aus.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Antisemitische Äußerungen gewinnen ihre Bedeutung im Kontext – ändert sich der Kontext, wandelt sich in den Augen der Jugendlichen ihre Bedeutung.

Author(s)
Tim Seidenschnur
Book title
Antisemitismus im Kontext Erkundungen in ethnisch heterogenen Jugendkulturen
Publisher
transcript Verlag
Pages
290
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-2293-5
DOI
Commodity Group
1728
BIC-Code
JFSL JFSP2 JFSR1
BISAC-Code
SOC031000 SOC026000 SOC049000
THEMA-Code
JBSL1 JBSP2 QRJP
Release date
2013-01-31
Edition
1
Topics
Gesellschaft, Rassismus
Readership
Soziologie, Geschichte, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft, Pädagogik
Keywords/Tags
Sociology of Education, Migration, Racism, Society, Youth, Jewish Studies, Pedagogy, Sociology

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