»Wie soll man gesund sein, wenn man keine Arbeit hat?«

Gesundheit und soziale Ungleichheit. Erfahrungen einer Frauengruppe mit einem Gesundheitsprojekt

Zehn Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern treffen sich drei Jahre lang, um sich über das Thema Gesundheit und Ernährung auszutauschen. Sie reden über ihren Alltag, ihre Sorgen und ihre Probleme. Allmählich entsteht aus ihren Zusammenkünften die verbindlichere Form einer Selbsthilfegruppe.

Das Buch zum Projekt veranschaulicht, wie zugewanderte Frauen mit dem Thema Gesundheit umgehen, wie sie ihre gesundheitliche Situation mit ihrer gesellschaftlichen Lage in Verbindung bringen, mit welchen Widrigkeiten sie zu kämpfen haben und über welche Ressourcen sie verfügen. Auf diese Weise entsteht ein plastisches Bild der leiblichen Bedingungen von Migration, Klasse/Exklusion und Geschlecht.

€14.80 *

2013-06-04, 144 pages
ISBN: 978-3-8376-2490-8

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Andrea Baier

Andrea Baier, anstiftung, München, Deutschland

... mit Andrea Baier

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Mein Buch bietet bislang selten publizierte Einblicke in die Lebenswelten von Migrantinnen, über die ansonsten viel zu oft ›in Abwesenheit‹ verhandelt wird. Ich fand es besonders spannend, wie die Frauen ihre soziale Lage wahrnehmen und dabei indirekt Kommentare zur ›Lage der Nation‹ abgeben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es plausibilisiert die These, dass Gesundheit in erster Linie eine Frage der Lebensverhältnisse ist. Vor allem aber macht es deutlich, welche Rolle die gesellschaftliche Wertschätzung spielt, die Menschen erfahren oder eben nicht erfahren. Jedoch sind die Migrantinnen den Verhältnissen nicht einfach ausgeliefert, sie können ihre Situation entscheidend beeinflussen, wenn sie sich zusammentun und den Schwierigkeiten in ihrem Alltag gemeinsam begegnen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Verlauf des Forschungspraxisprojekts wurde deutlich, in welchem Maße Gesundheit auch davon abhängt, welche Bedeutung – individuell und gesellschaftlich – der Subsistenz, also den nicht-marktförmigen Versorgungskontexten zugestanden wird. Die Ressourcen, auf die Migrantinnen im Zusammenhang mit Gesundheit zurückgreifen können, ergeben sich u.a. aus der sozialen Kohäsion in manchen migrantischen Milieus. Diese soziale Kohäsion existiert aber nicht im luftleeren Raum oder ist Resultat der jeweiligen ›Kultur‹, vielmehr verdankt sie sich der Existenz von Haushalt und Nachbarschaft, die in der Moderne aber immer höchst gefährdet ist – mit schlimmen Folgen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Zuallererst natürlich mit den Frauen, die am Projekt beteiligt waren: Was genau können sie mit meiner Darstellung und Interpretation anfangen? Außerdem mit Ramazan Salman, Mitbegründer des Ethno-Medizinischen Zentrums in Hannover, der die ›MiMi-Projekte‹ erfand, in denen die einen Migranten/-innen ihre Kenntnisse in Gesundheitsbelangen nach dem Schneeballprinzip an die anderen weitergeben. Oder auch mit Klaus Dörner, der den ›Mangel an Bedeutung für Andere‹ als einen der hauptsächlichen Gründe für die Zunahme psychischer Krankheiten wertet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch macht den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher Situation anschaulich. Mit seinem Fokus auf die Situation von Migrantinnen wirft es ein Schlaglicht auf die bundesdeutschen Verhältnisse insgesamt.

Author(s)
Andrea Baier
Book title
»Wie soll man gesund sein, wenn man keine Arbeit hat?« Gesundheit und soziale Ungleichheit. Erfahrungen einer Frauengruppe mit einem Gesundheitsprojekt
Publisher
transcript Verlag
Pages
144
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-2490-8
DOI
Commodity Group
1729
BIC-Code
JFFH MBS JFFN JFFM
BISAC-Code
SOC057000 SOC007000 SOC050000
THEMA-Code
JBFN MBS JBFH JBFQ
Release date
2013-06-04
Edition
1
Topics
Medizin, Migration
Readership
Soziologie, Gesundheitswissenschaften, Migrationsforschung
Keywords/Tags
Migration, Social Inequality, Medicine, Sociology of Medicine, Food Studies, Sociology

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