Wampum und Biber: Fetischgeld im kolonialen Nordamerika

Eine mausssche Kritik des Gabeparadigmas

Mittels einer kritischen Relektüre des »Essai sur le don« von Marcel Mauss erarbeitet Mario Schmidt einen ethnologischen Geldbegriff, der nicht von vornherein durch die Übertragung des historisch gewachsenen und widersprüchlichen Merkmalskatalogs des modernen Geldes die Sicht auf die jeweilige ethnographische Lebenswelt verstellt. Im Zuge einer historischen Rekonstruktion der Lebenswelt des nordöstlichen Nordamerikas des 17. Jahrhunderts analysiert er Wampum und Biberfelle als zirkulierende Fetischgelder, die Ungerechtigkeiten innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Wertverteilung verschleiern.

€34.99 *

2014-01-17, 300 pages
ISBN: 978-3-8376-2526-4

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Mario Schmidt

Mario Schmidt, Universität Köln, Deutschland

... mit Mario Schmidt

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die Welt braucht mein Buch aufgrund zweier weit verbreiteter Fehlurteile: Zum einen propagieren einige Ethnologen und Feuilletonisten, die tiefgreifenden Probleme unseres Finanzsystems ließen sich durch eine Rückorientierung an Gabepraktiken lösen. Zum anderen glauben viele Akademiker, die Gründe der Krisen seien Motive wie Gier oder schlicht eine um sich greifende Amoral. Beide Anschauungen werden in meinem Buch kritisch diskutiert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Traditionell arbeitet die Ethnologie mit der Gegenüberstellung von Geld- und Gabengesellschaften oder glaubt doch zumindest, zwei verschiedene Transaktionsmodi ausmachen zu können, die sich dann je Gesellschaft unterschiedlich überlagern. Durch eine kritische Relektüre des diesen Mythos leider mitbegründenden ›Essay über die Gabe‹ zeige ich, dass es notwendig ist, sich einer Gemeinsamkeit zwischen Gabe und Geld zu widmen: Ihrer Fähigkeit, ungerechte Verteilung von Wert zu verschleiern.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die deutschsprachige Ethnologie bleibt in Anbetracht der Finanzkrise im Vergleich zu Kollegen aus Frankreich, Großbritannien und den USA überraschend stumm. Der von mir vorgenommenen Neuverortung der Ethnologie der Gabe als Ethnologie des Geldes könnte es gelingen, sowohl den aus kritischer, jedoch wirtschaftswissenschaftlich uninformierter Perspektive stammenden Finanzpessimismus der Kulturwissenschaftler ebenso wie den unkritischen, jedoch mit Verweis auf wirtschaftswissenschaftliche Methoden sich rechtfertigenden Finanzoptimismus der Wirtschaftswissenschaftler zu umschiffen, um so Raum für kritische Alternativen zu schaffen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Sicherlich zu allererst mit Marcel Mauss selbst. Vermutlich würde er sich an manchen Stellen meiner Interpretation die Haare raufen. Allerdings bin ich mir sicher, dass er an anderen Passagen seine wahre Freude hätte: ›Stimmt, so habe ich das eigentlich gemeint‹.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Geld = Gabe.

Author(s)
Mario Schmidt
Book title
Wampum und Biber: Fetischgeld im kolonialen Nordamerika Eine mausssche Kritik des Gabeparadigmas
Publisher
transcript Verlag
Pages
300
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-2526-4
DOI
Commodity Group
1752
BIC-Code
JHMC HBJK KCZ
BISAC-Code
SOC002010 HIS036000 BUS023000
THEMA-Code
JHMC NHK KCZ
Release date
2014-01-17
Edition
1
Topics
Wirtschaft, Amerika, Kulturgeschichte
Readership
Ethnologie, Kulturwissenschaft, Soziologie, Philosophie
Keywords/Tags
Economy, Cultural History, America, Ethnology, American History, Economic History

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