Die Indigenenbewegung in Ecuador

Diskurs und Dekolonialität

Die Indigenenbewegung ist trotz ihrer enormen Diversität ein wichtiger sozialer Akteur in der ecuadorianischen Gesellschaft. Seit einer Sattelzeit zwischen Mitte der 1970er und Mitte der 1980er Jahre hat sie einen Diskurs herausgebildet, der identitäre mit klassistischen Positionen verbindet und um die politischen Begriffe indigene Nationalität, Territorialität, Plurinationalität, Interkulturalität und Gutes Leben herum aufgebaut ist. Philipp Altmann zeigt, wie sich dieser Diskurs gegen die koloniale Strukturierung der Gesellschaft und ihre Auswirkungen – wie etwa Diskriminierung und Ungleichheit – wendet und daher dekolonial zu verstehen ist.

€49.99 *

2013-12-10, 352 pages
ISBN: 978-3-8376-2570-7

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Philipp Altmann

Philipp Altmann, Universidad Central del Ecuador, Ecuador

... mit Philipp Altmann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Als ich meine Forschung begann, war ich überrascht, wie viele Fragen zur Indigenenbewegung Ecuadors einfach noch nicht gestellt wurden, wie viele Texte noch niemand rezipiert hatte. Dieses Buch ist das, was ich gesucht habe, als ich mit meiner Forschung anfing – damals noch mit der einfachen Frage ›Was bedeutet eigentlich Plurinationalität und Interkulturalität?‹ Diese und die Fragen, die daran anschließen (wer benutzt diese Begriffe, worauf beziehen sie sich) werden in meinem Buch beantwortet.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meinem Buch wird zum ersten Mal eine Untersuchung der Entwicklung der Indigenenbewegung mit einer Untersuchung der Entwicklung ihres Diskurses verbunden. Die zentralen Begriffe wie Plurinationalität und Interkulturalität spielen hier eine besondere Rolle. Diese Begriffe sind es auch, die mein Forschungsinteresse geweckt haben: Was will diese oder jene Organisation, wenn sie einen plurinationalen Staat oder eine interkulturelle Gesellschaft fordert?

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Übernahme der zentralen Begriffe der Indigenenbewegung in die Verfassungen Ecuadors (2008) und Boliviens (2009) hat international Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Daher haben die Kämpfe um die Definitionsmacht über diese Begriffe das Potential, tiefer gehende Diskussionen anzustoßen. Aktionen in Ecuador für z.B. den Begriff des Guten Lebens (Sumak Kawsay) sind damit immer auch transnational und werden jenseits der Landesgrenzen beachtet. Das kann wiederum zu neuen Aktionen führen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Natürlich mit den Indigenenorganisationen, über die ich schreibe und mit ihren zentralen Persönlichkeiten, etwa Luis Macas und Nina Pacari. Ich werde mich bemühen, ihnen meine Forschung zumindest teilweise zugänglich zu machen – deshalb versuche ich, die zentralen Ergebnisse auf Spanisch zu publizieren. Auch würde ich mein Buch gerne mit den Experten zum Thema diskutieren, auf internationaler Ebene etwa Anibal Quijano oder Walter Mignolo, in Deutschland vor allem Olaf Kaltmeier und Jonas Wolff.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine gleichzeitig ausgebeutete und unterdrückte Gruppe organisiert sich, kommt in eine Position, von der aus sie Druck ausüben kann und entwickelt einen komplexen und vielfältigen Diskurs.

Author(s)
Philipp Altmann
Book title
Die Indigenenbewegung in Ecuador Diskurs und Dekolonialität
Publisher
transcript Verlag
Pages
352
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-2570-7
DOI
Commodity Group
1721
BIC-Code
JPWF HBTR GTF
BISAC-Code
POL003000 POL045000 SOC042000
THEMA-Code
JPWG NHTR GTP
Release date
2013-12-10
Edition
1
Topics
Postkolonialismus, Zivilgesellschaft
Readership
Soziologie, Lateinamerikanistik, Kulturwissenschaften
Keywords/Tags
Social Movements, Postcolonialism, Civil Society, Sociology of Development, Latin America, Political Science

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