Vom Scheitern

Pädagogische Lektüren zeitgenössischer Romane III

Obwohl der riskante Charakter von Bildungs- und Erziehungsprozessen seit langem bekannt ist, neigt die Pädagogik dazu, das Scheitern pädagogischer Bemühungen theoretisch auszublenden. Dagegen gehört das Scheitern spätestens seit der Moderne zu den großen Themen der Literatur. Die Beiträge des Bandes nehmen das Spannungsverhältnis zwischen dem notorischen Optimismus der Pädagogik und dem Interesse literarischer Texte am Scheitern genauer in den Blick und gehen anhand ausgewählter Beispiele der Frage nach, welche Einsichten aus der literarischen Thematisierung des Scheiterns für erziehungswissenschaftliche Reflexionen zu gewinnen sind.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seite 1
  2. Editorial

    Seiten 2 - 4
  3. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  4. Einleitung

    Seiten 7 - 22
  5. Absolute Liminalität. Das wilde Kind von T. Coraghessan Boyle

    Seiten 23 - 46
  6. Regelwerk des Scheiterns als fiktionale Umkehrung der Perspektive: Der Außenseiter. Ein Roman von Sadie Jones

    Seiten 47 - 60
  7. Die Blockade des Jair in David Grossmans Roman Sei du mir das Messer

    Seiten 61 - 84
  8. Verhängnisvolle Zurechnungspraxis. Zweierlei Spielarten des Scheiterns in Philip Roths Nemesis

    Seiten 85 - 110
  9. Produktiv scheitern. Biographische Prozesse und Konfigurationen der Bildung in Jonathan Franzens Roman Freiheit

    Seiten 111 - 132
  10. »Wie halten die das alles aus?« Das Scheitern an (Bildungs-)Institutionen als Motiv in Andreas Maiers Kirillow und in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen

    Seiten 133 - 156
  11. Ich in der dritten Person. Anmerkungen zu Christa Wolfs Kindheitsmuster

    Seiten 157 - 170
  12. Über das Scheitern. Überlegungen zu den Voraussetzungen eines pädagogischen Verhältnisses im Anschluss an Herta Müllers Niederungen

    Seiten 171 - 196
  13. Mittelmäßiges Scheitern. Wilhelm Genazino und der Versuch, das mögliche Scheitern zu lieben

    Seiten 197 - 216
  14. Archäologie des Scheiterns. Zeruya Shalevs Roman Späte Familie

    Seiten 217 - 246
  15. Vom Scheitern des Verstehens. Zu Jeffrey Eugenides' Die Selbstmord-Schwestern

    Seiten 247 - 264
  16. »Was untergeht, muß gewesen sein.« Scheitern als Kategorie des Literarischen bei Martin Mosebach und Philip Roth

    Seiten 265 - 288
  17. Autorinnen und Autoren

    Seiten 289 - 294
  18. Backmatter

    Seiten 295 - 298
Mehr
€33.80 *

2013-10-01, 298 pages
ISBN: 978-3-8376-2576-9

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1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Unser Buch ist notwendig, weil es jene Phänomene zum Gegenstand macht, vor denen wir in der Erziehungswissenschaft gerne die Augen verschließen. Dass pädagogische Praktiken vom Scheitern bedroht sind, wissen wir durchaus – aber es ist nicht eben angenehm, sich mit diesem Sachverhalt zu beschäftigen. Noch immer ist die Versuchung sehr groß, sich der Gegenseite zuzuwenden – sich mit Erzählungen des Gelingens und des Erfolges zu beruhigen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die einzelnen Beiträge machen zwar ganz unterschiedliche Romane zum Gegenstand – neben Analysen zu Zeruya Shalev gibt es solche zu Jeffrey Eugenides und Philip Roth –, aber ihnen ist gemeinsam, dass sie zeigen, wie erhellend es ist, sich den pädagogischen Spielarten des Scheiterns zuzuwenden. Macht etwa eine Schriftstellerin das Scheitern einer Familie zum Gegenstand, ist das eine wahre Fundgrube für uns Erziehungswissenschaftler/-innen: Wir lernen auf diese Weise unglaublich viel über Generationenbeziehungen, über Anerkennungsverhältnisse oder über Subjektivierungspraktiken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Innerhalb der Soziologie erfährt das Thema Scheitern seit einigen Jahren eine gewisse Konjunktur. Das ist nach der Finanzkrise oder nach Fukushima auch nicht sehr verwunderlich. Innerhalb der Erziehungswissenschaft ist das Scheitern vereinzelt immer wieder einmal zum Gegenstand gemacht worden. Aber der Versuch, im Rückgriff auf literarische Texte den eigenen Gegenstandsbereich neu zu vermessen und dabei das Scheitern als Heuristik zu nutzen, ist völlig neu. Und die Ergebnisse unserer Lektüren zeigen, dass dieses Experiment zu funktionieren scheint.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Der Künstler Christoph Schlingensief hatte keine Berührungsängste mit dem Scheitern. Und er hat im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen einmal die Aktion ›Scheitern als Chance‹ ins Leben gerufen. Ein sehr interessanter Typ und kluger Kopf. Mit ihm hätten wir gerne unser Buchprojekt diskutiert. Aber er ist leider 2010 verstorben.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Literatur leuchtet den blinden Fleck des pädagogischen Diskurses aus: Romane als Erkenntnischance!

Book title
Vom Scheitern Pädagogische Lektüren zeitgenössischer Romane III
Publisher
transcript Verlag
Pages
298
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-2576-9
DOI
Commodity Group
1571
BIC-Code
JNA DSB
BISAC-Code
EDU040000 EDU036000 LIT000000
THEMA-Code
JNA DSB
Release date
2013-10-01
Edition
1
Topics
Bildung, Literatur
Readership
Erziehungswissenschaft, Literaturwissenschaft, Soziologie
Keywords/Tags
Literature, Education, Theory of Education, Educational Research, General Literature Studies

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