»Dichte Beschreibung« in der Arktis

Clifford Geertz und die Kulturrevolution der Inuit in Nordkanada

Clifford Geertz (1926-2006) war einer der bedeutendsten Kulturanthropologen des 20. Jahrhunderts. Wie wichtig seine Vorstellung von Kultur als sinnstiftendes Bedeutungsgewebe heute noch ist, zeigt die erschütternde Gewalt von Menschen, die befürchten müssen, dass ihr sozio-kulturelles Netz Risse und Löcher bekommt, sie Halt und Orientierung verlieren. Die Geschichte und prekäre Situation der Inuit verdeutlicht diese Zusammenhänge.

Barbara Schellhammer verbindet das Geertz'sche Denken mit dessen konkreter Anwendung in Nordkanada und bietet somit neue Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten – sowohl für die sozialwissenschaftliche Theoriebildung als auch für die besorgniserregende psycho-soziale Lage der Inuit.

€49.99 *

2015-11-06, 484 pages
ISBN: 978-3-8376-3234-7

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Barbara Schellhammer

Barbara Schellhammer, Hochschule für Philosophie München, Deutschland

... mit Barbara Schellhammer

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil die Inuit ein fast vergessenes Volk sind, bzw. in Zeiten des Klimawandels vom Aussterben bedroht. Die bekannte Inuit Aktivistin Sheila Watt-Cloutier gewann nicht umsonst in diesem Jahr den Alternativen Nobelpreis: ›Wir haben ein Recht darauf zu frieren!‹ betont sie schon seit Jahren. Die Inuit sind aber nicht das einzige Volk, das um sein sozio-kulturelles Überleben kämpft. Viele Ureinwohner können in Zeiten der Globalisierung und Modernisierung ihrem traditionellen Leben nicht mehr nachgehen – und das hat Folgen, nicht nur für sie selbst.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch weist darauf hin, dass kurzfristige Lösungen und ›dünne‹ Beschreibungen über eine Kultur nicht helfen, der psycho-sozialen Probleme von Menschen, die große Teile ihrer Kultur verloren haben, zu begegnen. Es kommt vielmehr darauf an, gemeinsam mit den Menschen nach Möglichkeiten zu suchen, sinnvoll ein Leben für die Zukunft aufzubauen. Es geht um Dialog, Sinn und Bedeutung – und um Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Selbstkultivierung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Angesichts gewaltvoller Auseinandersetzungen zwischen Menschen unterschiedlicher sozio-kultureller Herkunft und Glaubensüberzeugungen wird ein Nachdenken über die anthropologische Bedeutung von Kultur als ›Bedeutungsgewebe‹ besonders deutlich. Wenn Menschen fürchten müssen, dieses durch ›Überfremdung‹, ›Verwestlichung‹, ›Islamisierung‹ u.ä. zu verlieren, reagieren sie mit Protest, Aggression, Ablehnung und Fremdenhass. Die ›dichte Beschreibung‹ kann helfen, diesen Phänomenen nachhaltig zu begegnen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Inuit selbst, wo ich meine Forschung gemacht habe, und mit Clifford Geertz. Außerdem mit wichtigen Politikern wie Frank-Walter Steinmeier.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Inuit scheinen zwar weit weg, aber die Bedeutung von Kultur erfasst uns täglich überall – darüber gilt es sich noch viel ›dichter‹ Gedanken zu machen!

Book title
»Dichte Beschreibung« in der Arktis Clifford Geertz und die Kulturrevolution der Inuit in Nordkanada
Publisher
transcript Verlag
Pages
484
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-3234-7
DOI
Commodity Group
1752
BIC-Code
JHMC JFC
BISAC-Code
SOC002010 SOC022000
THEMA-Code
JHMC JBCC
Release date
2015-11-06
Edition
1
Topics
Kultur
Readership
Social Sciences, Cultural Anthropology, Ethnology, Philosophy, Social Work and an interested general readership.
Keywords/Tags
Thick Description, Clifford Geertz, Culture, Ethnology, Cultural Theory, Cultural Anthropology, Cultural Studies

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