Ereigniszeit und Eigenzeit

Zur literarischen Ästhetik operativer Zeitlichkeit

Zeit wird in der Moderne zunehmend als sich wandelndes Gewebe aus gegeneinander und miteinander laufenden Eigenzeiten erfahren, die sich je neu behaupten müssen. Nach Niklas Luhmann bringt diese Behauptungsdynamik paradoxerweise selbst wiederum erst die Zeit hervor, um die diskursiv und kulturell Bestimmungskämpfe stattfinden.

Metin Genç führt diese systemtheoretische Einsicht mit literarischen Zeithandhabungen zusammen und entwickelt daraus ein innovatives Analysemodell für ästhetische und textuelle Formen temporaler Komplexität. Erprobt wird dieses Modell an literarischen Experimenten von Alexander Kluge und Thomas Lehr, die die Ereignishaftigkeit und Zeitlichkeit der Zeit (re)konstruieren, lesbar machen, entfalten und dynamisieren.

€44.99 *

2016-07-21, 318 pages
ISBN: 978-3-8376-3372-6

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Metin Genç

Metin Genç, Universität zu Köln, Deutschland

... mit Metin Genç

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Es gibt eine gesteigerte lebensalltägliche und wissenschaftliche Sensibilität dafür, dass soziale und individuelle Zeiterfahrungen und Zeitordnungen immer seltener einheitlich und stattdessen vielmehr als Teil von partikularen und autonomen Eigenzeiten gedacht werden. Das wirft Fragen auf nach den mannigfaltigen und multiperspektivischen Formen der Wahrnehmung und Darstellung von Zeitlichkeit. Diesen auch literaturwissenschaftlich hochrelevanten Fragen galt es im Buch analytisch zu begegnen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Für die Literaturwissenschaft stand ein analytischer Import des operativen Zeitbegriffs bisher aus. Dieser ermöglicht, die zeithervorbringenden und -prägenden Effekte des individuellen, kommunikativen, kulturellen und medialen Zeitumgangs mit einzubeziehen. An literarischer Zeitästhetik wiederum lässt sich dann erst beobachten, wie komplexe literarische Texte nicht nur die Aufdeckung dieser Effekte betreiben können, sondern durch die Störung und Überwindung etablierter Zeitschemata auch ästhetischen Eigenwert gewinnen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Kontext der gegenwärtigen Forschung zur Wahrnehmung, Reflexion und Modellierung von Zeit gibt es ein besonderes Erkenntnisinteresse an literarischen Darstellungsformen von parallelen und paradox verschränkten Eigenzeiten. Denn die eigene Darstellungskompetenz und das spezifische Zeit-Wissen der Literatur gewinnen besonders dort an (auch außerliterarischer) Plausibilität, wo Routinen, Medien und Techniken der Strukturierung von Zeit in ihrer zeitlichen Bedingtheit beleuchtet werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Über das Thema ließe sich mit jedem trefflich diskutieren, der die Erfahrung gemacht hat, dass hinter den harmonisierenden und schematisierenden Vereinheitlichungen von Zeit eine komplexe und verwirrende Fülle von Eigenzeiten am Werk ist; Intensiver wohl mit Kolleg_innen und Student_innen, die sich für Temporalität und Zeitsemantiken in literarischen, ästhetischen und epistemischen Diskursen interessieren; mit Alexander Kluge; Niklas Luhmanns Meinung hätte mich sehr interessiert.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch leistet den Import einer Zeittheorie in die Literaturwissenschaft, die beobachtet, wie Zeit mit jedem Ereignis erzeugt, in Form gebracht und sinnhaft wird.

Author(s)
Metin Genç
Book title
Ereigniszeit und Eigenzeit Zur literarischen Ästhetik operativer Zeitlichkeit
Publisher
transcript Verlag
Pages
318
Features
kart.
ISBN
978-3-8376-3372-6
DOI
Commodity Group
1562
BIC-Code
DSA DSB JFC HP
BISAC-Code
LIT006000 LIT004170 PHI034000
THEMA-Code
DSA DSB JBCC QD
Release date
2016-07-21
Edition
1
Topics
Literatur
Readership
Literary Studies, Cultural Studies, Sociology
Keywords/Tags
Literature, Modernity, Time, Temporality, Aesthetics, Systems Theory, Occurrence, Alexander Kluge, Thomas Lehr, Theory of Literature, German Literature, Philosophy of Culture, General Literature Studies, Literary Studies

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