Lieselott Herforth

Die erste Rektorin einer deutschen Universität

Lieselott Herforth (1916-2010) war von 1965-1968 die erste deutsche Universitätsrektorin (TU Dresden) – und als Physikerin erfolgreich in einer Männerdomäne. In Berlin, Leipzig, Merseburg und Dresden beschäftigte sie sich u.a. mit radioaktiven Isotopen und der Strahlenmessung. Ihr Grundlagenwerk »Praktikum der Angewandten Radioaktivität und Radiochemie« (gem. mit Hartwig Koch) wird noch heute bundesweit in der Lehre eingesetzt und stetig aktualisiert.

Spät trat sie in die SED ein und war Mitglied mehrerer hoher Gremien der DDR. Neben der Forschung engagierte sie sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Gleichstellung. Diese erste umfassende Biographie anlässlich ihres 100. Geburtstags zeichnet den Werdegang der Pionierin nach.

€29.99 *

2016-07-06, 324 pages
ISBN: 978-3-8376-3545-4

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Waltraud Voss

Waltraud Voss, Deutschland

... mit Waltraud Voss

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Physikprofessorinnen sind immer noch rar. Unter den wenigen ist Lieselott Herforth heute nicht mehr die einzige Universitätsrektorin, aber sie war die erste Rektorin an einer deutschen Universität – an der TU Dresden. In diesem Jahr wäre sie 100 Jahre alt geworden. Sie nahm die Verantwortung, die jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin für die Gesellschaft hat, sehr ernst und lebte diese Verantwortung als Physikerin, Hochschullehrerin und Politikerin. Das Buch zeigt nicht nur das Leben der Physikprofessorin Lieselott Herforth, sondern auch ihr Werden vom bürgerlichen Elternhaus an, über mehrere gesellschaftspolitische Umbrüche hinweg.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es gibt noch keine so umfassende Arbeit über Lieselott Herforth; über längere Zeit wurde ihr Anteil mit Blick auf die Frauenemanzipation vernachlässigt, ihre kernphysikalischen Arbeiten hingegen wurden stets gewürdigt. Neu im Vergleich zu den bisherigen Arbeiten über Lieselott Herforth ist die Gesamtsicht auf ihr Werden als Persönlichkeit und Wissenschaftlerin unter erstmaliger Verwendung von Materialien aus ihrem persönlichen Nachlass. Neu ist auch die Würdigung ihres frühen interdisziplinären Wirkens im konkreten beruflichen, gesellschaftlichen und familiären Umfeld.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Kanzlerin Angela Merkel forderte kürzlich erneut, mehr Frauen für die MINT-Fächer zu gewinnen. Das war ein stetes gesellschaftliches Anliegen in Lieselott Herforths Zeit und speziell der Wissenschaftlerin selbst. Debattiert wird seit langem über die Gestaltung des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland und ihren Ländern. Ein Staat ohne nennenswerte Bodenschätze ist auf die Hirne und Herzen all seiner Menschen angewiesen. Dieses Potential möglichst voll auszuschöpfen muss wichtiges Anliegen des Bildungswesens werden. Jedes Kind sollte die gleichen Bildungschancen haben – unabhängig von seiner Herkunft und dem Einkommen seiner Eltern. Der Geringschätzung mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Bildung in Teilen der Bevölkerung sollte offensiv begegnet werden. All die modernen Techniken und Technologien, die zunehmend Eingang in den Alltag eines jeden finden und sehr oft einfach als ›black box‹ genutzt werden, wären ohne Mathematik gar nicht denkbar, auch – und gerade – die Informatik fußt in der Mathematik.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Eine einzelne Person möchte ich nicht benennen. Meinungsaustausch und auch ›Meinungsstreit‹ sind nötig und wichtige Grundlage für eine lebendige demokratische Kultur. Von daher bin ich für Austausch offen und stehe gern für Diskussionen und Veranstaltungen zur Verfügung. Mit dem Buch kann es gelingen, dass unter anderem in der Geschlechterforschung und in den verschiedenen Disziplinen der Gesellschaftswissenschaften und der Wissensgeschichte an die Erkenntnisse aus der alten Bundesrepublik, Westberlins und der DDR angeschlossen wird. Entwicklungen im gesellschaftlichen Bereich geschahen in diesen deutschen Staaten gerade im Austausch – besonders deutlich wird das in Bezug auf Fragestellungen der Frauenemanzipation. Welche Wege wurden für die Frauenförderung beschritten? Was lässt sich daraus heute lernen, damit in der Bundesrepublik bald nicht mehr nur 10% der Mathematik-Professuren von Frauen besetzt sind, sondern 50% – oder zumindest erst einmal 40%, wie es im benachbarten Frankreich der Fall ist.

Wie wichtig demokratische und wertschätzende Streitkultur ist, wird nicht zuletzt deutlich, wenn wir den massiven Rechtsruck in Deutschland und Europa verfolgen und die zunehmende Zahl der Kriege weltweit. Auch hier kann Lieselott Herforth Beispiel gebend sein: Ein wesentlicher Antrieb ihres Wirkens ging auf ihre Einsicht zurück, dass von Deutschland nie wieder Krieg und Faschismus ausgehen sollte.

5. Das Buch in einem Satz:

Das Buch stellt facettenreich eine Frau vor, die in ihrer Zeit Wissenschaft und Gesellschaft mitgestaltet hat und deren physikalische Arbeiten zu Radioaktivität und Strahlenschutz noch heute an zahlreichen Hochschulen eingesetzt werden. In diesem Sinne wirkt ihr Anspruch, Nachwuchs – und dabei insbesondere Frauen – zu fördern heute fort.

Author(s)
Waltraud Voss
Book title
Lieselott Herforth Die erste Rektorin einer deutschen Universität
Publisher
transcript Verlag
Pages
324
Features
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3545-4
DOI
Commodity Group
1726
BIC-Code
JFSJ HBTB JNA
BISAC-Code
SOC032000 HIS054000 EDU016000
THEMA-Code
JBSF NHTB JNB
Release date
2016-07-06
Edition
1
Topics
Bildung, Geschlecht
Readership
Gender Studies, History of Science, Interdisciplinary History of Science, Physics, Biography Research
Keywords/Tags
Lieselott Herforth, Biography, History of Science, Higher Education and University Development, Socialism, G.D.R. History, Gender, Education, Gender Studies, Gender History, History of Education, University, Sociology

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